

Deutscher Schachspieler
Robert Hübner (* 6. November 1948 in Köln-Porz; gestorben am 5. Januar 2025 in Köln) war ein deutscher Schachgroßmeister, Schachautor und Papyrologe. Er gehörte in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren zur erweiterten Weltspitze, erreichte zeitweise Platz drei der Weltrangliste und gilt als einer der stärksten deutschen Schachspieler seit Emanuel Lasker.
Hübner lernte früh Schach und wurde schon als Jugendlicher in der deutschen Schachszene sichtbar. Mit 18 Jahren teilte er den Sieg bei der Deutschen Meisterschaft. 1969 erhielt er den Titel Internationaler Meister, 1971 wurde er Großmeister. Für die Bundesrepublik war das außergewöhnlich: In einer Zeit, in der die Weltspitze stark sowjetisch geprägt war, zeigte Hübner, dass ein westdeutscher Spieler auf höchstem Niveau bestehen konnte.
Zwischen 1971 und 1991 spielte Hübner mehrfach in Kandidatenwettbewerben um die Schachweltmeisterschaft. Er traf dort auf Gegner wie Tigran Petrosjan, Viktor Kortschnoi, Wassili Smyslow und Jan Timman. Besonders bekannt blieb das Kandidatenfinale 1980 in Meran gegen Kortschnoi. Hübner war kein Spieler, der sich leicht in einfache Erzählungen fügen ließ: Er konnte tief vorbereiten, aber auch aus Prinzip handeln, wenn er Bedingungen als unfair oder sinnlos empfand.
Hübners Schach war von Genauigkeit, Skepsis und enormer analytischer Tiefe geprägt. Er suchte nicht den schnellen Effekt, sondern die innere Wahrheit einer Stellung. Seine Kommentare zu Partien wurden berühmt, weil sie weit über gewöhnliche Variantenangaben hinausgingen. Manchmal sezierte er eine Stellung so gründlich, dass daraus fast ein wissenschaftlicher Text entstand. Diese Strenge machte ihn für Leser anspruchsvoll, aber auch einzigartig.
Neben dem Schach war Hübner wissenschaftlich tätig. Er promovierte als Papyrologe und beschäftigte sich mit altägyptischen Texten. Quellen aus der Schachwelt beschreiben ihn als außergewöhnlich sprachkundig; er konnte viele Sprachen lesen und sprechen. Diese zweite geistige Welt erklärt viel von seinem Schachverständnis: Hübner dachte präzise, historisch, textnah und misstrauisch gegenüber Vereinfachungen.
Für den Deutschen Schachbund und viele Schachfreunde blieb Hübner über Jahrzehnte eine prägende Figur. Er spielte für Vereine, nahm an Olympiaden teil, schrieb Analysen und blieb auch dann ein Maßstab, als jüngere Generationen in den Vordergrund traten. Sein Verhältnis zu Verbänden und Turnierformen war nicht immer einfach, doch gerade diese Unabhängigkeit gehörte zu seinem Profil. Hübner wirkte nicht wie ein Berufssportler, sondern wie ein Gelehrter am Brett.
Robert Hübner starb am 5. Januar 2025 in Köln nach langer Krankheit. Er wurde 76 Jahre alt. Sein Name bleibt mit einer besonderen Form von Schach verbunden: streng, gebildet, eigensinnig und voller Respekt vor der Tiefe des Spiels. Für das deutsche Schach war er mehr als ein starker Großmeister; er war ein Denker, der das Brett wie einen Text las.