

Deutscher Funker und Angehöriger der Leibstandarte-SS Adolf Hitler
Rochus Misch (* 29. Juli 1917 in Alt Schalkowitz, Oberschlesien; gestorben am 5. September 2013 in Berlin) war ein deutscher SS-Angehöriger der Leibstandarte SS Adolf Hitler. Er arbeitete während des Zweiten Weltkriegs als Leibwächter, Kurier und Telefonist im unmittelbaren Umfeld Adolf Hitlers und wurde später als einer der letzten Zeugen aus dem Führerbunker bekannt. Seine Erinnerungen sind historisch bedeutsam, aber sie entlasten ihn nicht von seiner Nähe zum Machtzentrum des NS-Regimes.
Misch wurde in Oberschlesien geboren und verlor seine Eltern früh. Er wuchs bei Verwandten auf und lernte zunächst das Handwerk eines Malers. 1937 trat er in die SS-Verfügungstruppe ein, aus der später die Waffen-SS hervorging. Rückblickend begründete er diesen Schritt mit Antikommunismus. Tatsächlich schloss er sich damit einer bewaffneten Formation des nationalsozialistischen Staates an.
Beim deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 gehörte Misch zu einer Einheit, die am Feldzug beteiligt war. Bei Kämpfen in der Nähe von Modlin wurde er schwer verwundet. Nach seiner Genesung kam er 1940 in Hitlers Begleitkommando. Dort erledigte er Botengänge, übernahm Wachaufgaben und arbeitete an Telefonanlagen. Er war kein politischer Entscheider, diente aber über Jahre in einem Apparat, der die Diktatur schützte und ihre Führung handlungsfähig hielt.
In den letzten Kriegsmonaten gehörte Misch zum Personal in der Reichskanzlei und im Führerbunker. Er bediente Telefone, leitete Verbindungen weiter und erlebte die letzten Tage der NS-Führung aus unmittelbarer Nähe. Am 22. April 1945 konnten nach seinen späteren Angaben viele den Bunker verlassen; Misch blieb, weil die Kommunikations- und Versorgungsaufgaben weiterlaufen sollten. Nach Hitlers Suizid und dem Zusammenbruch in Berlin floh er Anfang Mai aus dem Bunker und wurde von sowjetischen Soldaten gefangen genommen.
Misch wurde in der Sowjetunion verhört und verbrachte Jahre in Gefangenschaft und Arbeitslagern. Nach Stalins Tod kam er im Zuge der Amnestien frei und kehrte in den 1950er-Jahren nach Berlin zurück. Dort führte er ein Geschäft und lebte lange vergleichsweise unauffällig. Seine Ehefrau Gerda starb 1997; die gemeinsame Tochter kritisierte später, dass ihm Distanz und kritische Selbstbefragung fehlten.
Durch Interviews, Dokumentationen und sein Buch Der letzte Zeuge wurde Misch im hohen Alter zu einer international befragten Figur. Er beschrieb Einzelheiten aus dem Bunkeralltag und behauptete, vom Ausmaß des Holocaust damals nichts gewusst zu haben. Zugleich sprach er bis ins hohe Alter wohlwollend über Hitler als Vorgesetzten. Seine späte Zeugenschaft liefert Details über Räume, Abläufe und Stimmungen, zeigt aber auch eine auffällige Weigerung, die eigene Rolle moralisch ernsthaft zu prüfen.
Rochus Misch starb am 5. September 2013 in Berlin. Er wurde 96 Jahre alt. Sein Leben steht für eine Form von Nähe zur Macht, die sich nach 1945 gern als unpolitischer Dienst verstand. Nebeneinander bleiben der Quellenwert seiner Aussagen zu bestimmten Abläufen im Führerbunker und die Begrenztheit einer Erinnerung, die den verbrecherischen Charakter des Regimes zu lange von der eigenen Erfahrung trennte.