

Deutscher Kosmonaut, 1978 erster Deutscher im All
Deutsche Demokratische Republik
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Sigmund Werner Paul Jähn (* 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz; gestorben am 21. September 2019 in Strausberg) war ein deutscher Pilot, Kosmonaut, Wissenschaftler und Generalmajor der Nationalen Volksarmee der DDR. Am 26. August 1978 wurde er mit Sojus 31 der erste Deutsche im All. Seine Raumfahrtgeschichte begann im Kalten Krieg, wurde in der DDR politisch aufgeladen und bekam nach 1990 eine zweite Bedeutung: Jähn half später deutschen und europäischen Astronauten in der Zusammenarbeit mit Russland.
Jähn wuchs im sächsischen Vogtland auf. Nach der Schule lernte er zunächst Buchdrucker, bevor er 1955 zu den Luftstreitkräften der DDR kam. Dort wurde er Pilot, später Offizier und Ausbilder. Die militärische Laufbahn führte ihn auch an die Juri-Gagarin-Luftwaffenakademie bei Moskau, wo er bis 1970 studierte. Diese Verbindung von Fliegerei, technischer Disziplin und sowjetischer Ausbildung machte ihn zu einem Kandidaten für das Interkosmos-Programm.
1976 schickte die DDR mehrere Kandidaten in das Kosmonautentrainingszentrum im Sternenstädtchen bei Moskau; Jähn wurde zusammen mit Eberhard Köllner ausgewählt. Am 26. August 1978 startete er mit dem sowjetischen Kommandanten Waleri Bykowski zur Raumstation Saljut 6. Während des Fluges führte er wissenschaftliche Experimente durch, unter anderem in Fernerkundung, Medizin, Biologie, Materialwissenschaften und Geophysik. Nach sieben Tagen, 20 Stunden und 49 Minuten kehrte er am 3. September 1978 mit Sojus 29 zur Erde zurück.
Jähns Flug war wissenschaftlich, aber auch politisch aufgeladen. Die DDR feierte ihn als sozialistischen Helden, während die Bundesrepublik erst wenige Jahre später mit Ulf Merbold einen westdeutschen Raumfahrer bekam. Jähn selbst blieb in späteren Jahren weniger an Pathos interessiert als an der Raumfahrt als gemeinsamer Aufgabe. Gerade deshalb wurde er nach der deutschen Einheit nicht nur als DDR-Ikone erinnert, sondern auch als Fachmann, der Brücken zwischen Ost und West schlagen konnte.
Nach der Auflösung der NVA 1990 wurde Jähn aus der Armee entlassen. Danach arbeitete er als Berater für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und für die Europäische Weltraumorganisation ESA. In Sternenstädtchen unterstützte er europäische Astronautinnen und Astronauten bei der Vorbereitung auf Mir-Missionen. Diese zweite berufliche Phase war wichtig, weil sie seine Erfahrung aus dem sowjetischen Raumfahrtsystem für die europäische Raumfahrt nutzbar machte.
Jähn promovierte 1983 mit einem Thema zur Fernerkundung der Erde; Grundlage waren auch Aufnahmen, die während seines Raumflugs entstanden waren. Er blieb der Raumfahrt, der Erdbeobachtung und der internationalen Zusammenarbeit verbunden. In Erinnerung blieb er vielen nicht nur als erster Deutscher im All, sondern als ruhiger, bodenständiger Mensch, der den historischen Rang seines Fluges kannte, ihn aber nicht zur Selbstdarstellung nutzte.
Sigmund Jähn starb am 21. September 2019 in Strausberg. Er wurde 82 Jahre alt. Sein Lebensweg steht für ein Stück deutscher Raumfahrtgeschichte, das nicht ohne die politischen Bedingungen des Kalten Krieges zu verstehen ist und trotzdem darüber hinausweist: zu Wissenschaft, Kooperation und dem Blick auf die Erde als gemeinsamen Lebensraum.