
Mailand
Silvio Berlusconi (* 29. September 1936 in Mailand; gestorben am 12. Juni 2023 in Mailand) war ein italienischer Unternehmer, Medienmagnat, Fußballfunktionär und Politiker. Er prägte Italien über Jahrzehnte: als Gründer von Fininvest und Mediaset, als Eigentümer des AC Milan und als mehrfacher Ministerpräsident. Seine Karriere verband wirtschaftliche Macht, Fernsehbilder, populäre Ansprache und politische Selbstinszenierung so eng, dass in Italien ein eigener Begriff dafür entstand: Berlusconismus. Diese Bedeutung ist groß, aber nicht unbelastet. Berlusconis Aufstieg gehört ebenso zu seiner Geschichte wie Interessenkonflikte, Prozesse, politische Polarisierung und ein rechtskräftiges Steuerbetrugsurteil.

Berlusconi begann als Unternehmer im Bau- und Immobiliengeschäft. Mit Projekten wie Milano 2 schuf er frühes Kapital und Zugang zu einem wohlhabenden Publikum. Daraus entwickelte sich sein Medienimperium. Aus Telemilano wurde Canale 5, später wuchs unter Fininvest und Mediaset ein privates Fernsehsystem, das Unterhaltung, Werbung und politische Reichweite verband. Berlusconi verstand Fernsehen nicht nur als Geschäft, sondern als Bühne: Wer dort präsent war, konnte Sprache, Bilder und Alltag eines Landes mitprägen.
1986 übernahm Berlusconi den AC Milan. Der Club wurde unter seiner Führung zu einer der erfolgreichsten Mannschaften Europas. Trainer wie Arrigo Sacchi und Fabio Capello, Spieler wie Franco Baresi, Paolo Maldini, Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard prägten eine Ära, in der Milan sportlich und medial zum Symbol von Berlusconis Stil wurde: ehrgeizig, teuer, selbstbewusst und auf maximale Sichtbarkeit ausgerichtet. Der Fußball stärkte seinen öffentlichen Mythos, lange bevor er Regierungschef wurde.
1994 gründete Berlusconi Forza Italia und trat in eine politische Landschaft ein, die nach Korruptionsskandalen und dem Zusammenbruch alter Parteien offen war. Er präsentierte sich als erfolgreicher Unternehmer, der Italien modernisieren könne. Seine erste Regierung hielt nur wenige Monate, doch sein politischer Durchbruch war dauerhaft. Berlusconi zeigte, wie sich Partei, Fernsehkommunikation, persönliche Marke und Wahlkampf zu einer neuen Form politischer Macht verbinden ließen.
Von 2001 bis 2006 und von 2008 bis 2011 führte Berlusconi weitere Regierungen. Er senkte Steuern, versprach weniger Bürokratie und sprach viele Wähler direkt mit einer Sprache an, die sich deutlich vom traditionellen Politikstil unterschied. Gleichzeitig blieb seine Amtszeit von Interessenkonflikten geprägt, weil Medienmacht, Unternehmensinteressen und Regierungsamt kaum voneinander zu trennen waren. Die Schuldenkrise und wachsender internationaler Druck führten 2011 zu seinem Rücktritt.
Berlusconis Karriere war von zahlreichen Verfahren begleitet. Mehrere endeten mit Freisprüchen, Verjährung oder Einstellungen; 2013 bestätigte Italiens höchstes Gericht jedoch eine Verurteilung wegen Steuerbetrugs im Zusammenhang mit Mediaset. Das Urteil führte zu politischem Ausschluss und beschädigte seine Stellung schwer. Ganz verschwand er dennoch nicht. Er blieb Vorsitzender von Forza Italia, kehrte 2019 ins Europäische Parlament zurück und wurde 2022 erneut in den italienischen Senat gewählt.
Silvio Berlusconi starb am 12. Juni 2023 im Krankenhaus San Raffaele in Mailand, nachdem er wegen chronischer Leukämie behandelt worden war. Er wurde 86 Jahre alt. Sein politisches und kulturelles Erbe bleibt gespalten: Für Unterstützer stand er für Unternehmergeist, Fußballerfolge und einen direkten Draht zu Wählern; für Kritiker für Machtkonzentration, mediale Verzerrung, rechtliche Grenzverschiebungen und eine Politik, die Institutionen stark personalisierte. Gerade diese Spaltung zeigt, wie tief Berlusconi Italien verändert hat.
bis 1985
bis 2017
bis 2014