
Susanne Lothar (* 15. November 1960 in Hamburg; gestorben am 21. Juli 2012 in Berlin) war eine deutsche Schauspielerin für Theater, Film und Fernsehen. Sie arbeitete mit Regisseuren wie Peter Zadek, Luc Bondy und Michael Haneke und wurde für Rollen bekannt, in denen sie seelische Spannung, Verletzbarkeit und Härte ohne Eitelkeit sichtbar machte.
Lothar wurde in eine Schauspielerfamilie geboren. Ihr Vater Hanns Lothar und ihre Mutter Ingrid Andree waren beide Schauspieler; der Vater starb früh. Susanne Lothar studierte Schauspiel in Hamburg und ging früh ans Theater. Am Thalia Theater, später an Bühnen in Wien, Berlin und Salzburg, entwickelte sie eine Spielweise, die körperlich präzise und emotional unmittelbar war. Sie suchte keine glatte Gefälligkeit, sondern Figuren am Rand von Angst, Wut und Selbstbehauptung.
Ihre erste große Filmrolle spielte Lothar 1983 in Tankred Dorsts Eisenhans. Für diese Arbeit erhielt sie den Bundesfilmpreis. Trotzdem blieb das Theater lange ihr wichtigster Ort. Dort konnte sie Grenzzustände über einen ganzen Abend tragen. Diese Erfahrung prägte später auch ihre Filmrollen: Lothar spielte nicht dekorativ, sondern mit einer Intensität, die Szenen offen und genau machte.
International wurde Lothar besonders durch ihre Arbeiten mit Michael Haneke wahrgenommen. In Funny Games spielte sie 1997 neben Ulrich Mühe eine Frau, die Gewalt und Ausgeliefertsein durchlebt. Später folgten Rollen in Das Schloss, Die Klavierspielerin und Das weiße Band. Hanekes Filme verlangten von ihr keine Effekte, sondern eine genaue Präsenz: Angst, Scham, Widerstand und Erschöpfung blieben in ihrem Spiel kontrolliert und doch offen.
Neben Haneke arbeitete Lothar in vielen deutschen Film- und Fernsehproduktionen. Sie war in Der Vorleser zu sehen, spielte in Andres Veiels Wer wenn nicht wir und stand kurz vor ihrem Tod noch für internationale Produktionen wie Anna Karenina vor der Kamera. Ihre Rollen waren oft nicht groß im Umfang, aber sie hinterließen eine klare Spur, weil Lothar Nebenfiguren nicht beiläufig behandelte.
1997 heiratete Susanne Lothar den Schauspieler Ulrich Mühe. Beide standen gemeinsam auf der Bühne und vor der Kamera, unter anderem in Funny Games. Mühe starb 2007; Lothar lebte danach mit den gemeinsamen Kindern weiter in Berlin. Über ihr Privatleben sprach sie zurückhaltend. Auch nach ihrem Tod bat die Familie darum, die Ursache nicht öffentlich zu machen.
Susanne Lothar starb am 21. Juli 2012 in Berlin. Sie wurde 51 Jahre alt. Ihr Werk bleibt mit einer besonderen Form von Genauigkeit verbunden: mit Schauspiel, das innere Zustände in Haltung, Stimme und Blick erfahrbar macht.
bis 2007