
Wiener Zentralfriedhof
Simmeringer Hauptstraße, Kaiserebersdorf

Österreichischer Diplomat und Politiker
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Emoria entzündet eine Gedenkkerze im Gedenken an Thomas Klestil.
Emoria
6. Juli 2026
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Thomas Klestil (* 4. November 1932 in Wien; gestorben am 6. Juli 2004 in Wien) war ein österreichischer Diplomat und Politiker. Von 1992 bis zu seinem Tod war er Bundespräsident der Republik Österreich. Seine Amtszeit fiel in eine Phase, in der Österreich seine internationale Rolle nach dem Ende des Kalten Krieges, dem EU-Beitritt und den Debatten um die eigene NS-Vergangenheit neu bestimmte.
Klestil stammte aus Wien und studierte an der Hochschule für Welthandel. Nach seiner Promotion trat er in den Staatsdienst ein. Seine Laufbahn führte ihn zur OECD nach Paris, an die österreichische Botschaft in Washington, ins Bundeskanzleramt und später an wichtige Auslandsvertretungen. Er war Generalkonsul in Los Angeles, österreichischer Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York und Botschafter in den Vereinigten Staaten. 1987 kehrte er als Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten nach Wien zurück.
1992 trat Klestil als von der ÖVP unterstützter Kandidat zur Bundespräsidentenwahl an. Nach der Ära Kurt Waldheim erwarteten viele im In- und Ausland ein Staatsoberhaupt, das Österreich wieder stärker öffnete. Klestil gewann die Stichwahl am 24. Mai 1992 und wurde am 8. Juli angelobt. Er brachte diplomatische Erfahrung in ein Amt ein, das verfassungsrechtlich begrenzt ist, aber in Symbolen, Reden und internationaler Repräsentation Gewicht besitzt.
Ein Schwerpunkt seiner Präsidentschaft war der Umgang Österreichs mit der NS-Zeit. Klestil sprach wiederholt über die Mitverantwortung von Österreicherinnen und Österreichern an den Verbrechen des Nationalsozialismus. Besonders deutlich wurde das am 15. November 1994 in Jerusalem, als er vor der Knesset sprach. Diese Rede stand für den Versuch, Österreichs internationales Vertrauen nicht durch Verdrängung, sondern durch öffentliche Anerkennung historischer Verantwortung zu stärken.
In Klestils Amtszeit trat Österreich der Europäischen Union bei. Er unterstützte eine aktive europäische Rolle des Landes und suchte zugleich mehr außenpolitischen Einfluss für das Präsidentenamt, als die österreichische Verfassung praktisch zuließ. Nach der Nationalratswahl 1999 geriet er in schweren Konflikt mit der Bildung einer ÖVP-FPÖ-Regierung unter Wolfgang Schüssel. Klestil konnte die Koalition nicht verhindern, bestand aber auf einer Erklärung zu Demokratie, Menschenrechten und europäischer Bindung.
1998 wurde Klestil für eine zweite Amtszeit gewählt. Die folgenden Jahre waren geprägt von europapolitischen Debatten, internationaler Kritik an Österreich und wiederholten Fragen nach den Grenzen präsidialer Einflussnahme. Er blieb dabei ein Präsident mit starkem außenpolitischem Selbstverständnis. Gerade diese Spannung machte seine Amtszeit ungewöhnlich: Er repräsentierte Österreich nicht nur feierlich, sondern wollte die Republik auch politisch und moralisch nach außen erklären.
Thomas Klestil starb am 6. Juli 2004 im Wiener Allgemeinen Krankenhaus, zwei Tage vor dem regulären Ende seiner zweiten Amtszeit. Er wurde 71 Jahre alt. Seine Präsidentschaft zielte darauf, Österreichs internationale Glaubwürdigkeit zu stärken, und wurde besonders dort sichtbar, wo Geschichte, Diplomatie und demokratische Verantwortung aufeinandertrafen.
Thomas Klestil wird in Wien geboren.
Klestil gewinnt die Stichwahl der österreichischen Bundespräsidentenwahl.
Thomas Klestil legt vor der Bundesversammlung den Amtseid als Bundespräsident ab.
In Jerusalem spricht Klestil vor der Knesset über Österreichs Verantwortung für NS-Verbrechen.
Klestil wird bei der Bundespräsidentenwahl für eine zweite Amtszeit bestätigt.
Thomas Klestil stirbt wenige Tage vor dem Ende seiner Amtszeit in Wien.
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Thomas Klestil. Für immer unvergessen.