

Privatsekretärin Adolf Hitlers
Traudl Junge, geboren als Gertraud Humps am 16. März 1920 in München und gestorben in der Nacht zum 11. Februar 2002 in München, war eine deutsche Sekretärin, Redaktionsmitarbeiterin und spätere Zeitzeugin. Von Ende 1942 bis April 1945 arbeitete sie als Privatsekretärin Adolf Hitlers. Ihre späten Aussagen, ihr Buch Bis zur letzten Stunde und der Dokumentarfilm Im toten Winkel - Hitlers Sekretärin machten sie zu einer Stimme, an der sich Fragen nach Nähe, Verdrängung und persönlicher Verantwortung im Nationalsozialismus bündeln.
Traudl Humps wuchs in München auf. Sie wollte zunächst Tänzerin werden, fand aber keinen dauerhaften Weg in diesen Beruf und ließ sich zur Sekretärin ausbilden. Diese nüchterne berufliche Entscheidung führte sie in eine Umgebung, deren politische Bedeutung sie später als junge Frau unterschätzte oder ausblendete. Über Berlin kam sie in die Reichskanzlei und wurde Ende 1942 in Hitlers engsten Büroapparat aufgenommen.
Junge arbeitete in der Wolfsschanze, am Obersalzberg, in Berlin und zuletzt im Führerbunker. Sie schrieb Briefe, Reden und Diktate, bewegte sich nahe an Hitlers Alltag und erlebte zugleich eine abgeschlossene Welt, in der Macht, Loyalität und Selbsttäuschung ineinandergriffen. Gerade diese Nähe macht ihre Erinnerungen historisch wertvoll und moralisch schwierig. Sie war keine Entscheidungsträgerin des Regimes, aber sie arbeitete im Dienst seines Zentrums.
In den letzten Kriegstagen blieb Junge im Berliner Führerbunker. Am 29. April 1945 tippte sie Hitlers privates und politisches Testament. Einen Tag später tötete sich Hitler. Junge überlebte den Zusammenbruch, wurde nach Kriegsende verhört und zeitweise festgehalten. Danach kehrte sie nach Bayern zurück und arbeitete unter anderem als Sekretärin und Journalistin.
Über Jahrzehnte sprach Junge nur begrenzt öffentlich über ihre Rolle. Ihr 1947 verfasstes Manuskript erschien erst 2002, von Melissa Müller redigiert, unter dem Titel Bis zur letzten Stunde. In den späten Interviews versuchte Junge, ihre frühere Faszination und ihre behauptete Unwissenheit zu erklären, ohne sich davon vollständig freizusprechen. Der Vergleich mit Sophie Scholl, die im selben Jahr geboren wurde und 1943 hingerichtet wurde, wurde für sie zu einem schmerzhaften Gegenbild zur eigenen Ausrede der Jugend.
Der Dokumentarfilm Im toten Winkel - Hitlers Sekretärin von André Heller und Othmar Schmiderer wurde am 10. Februar 2002 bei der Berlinale uraufgeführt. Der Film verzichtet auf dramatische Nachstellungen und konzentriert sich auf Junges Erzählen. Dadurch wurde sie kurz vor ihrem Tod noch einmal öffentlich wahrgenommen: nicht als entlastete Zeugin, sondern als Frau, deren Erinnerung zugleich Quelle und Warnung ist.
Traudl Junge starb nach schwerer Krankheit in München. Die Quellen nennen teils den 10. Februar 2002, mehrere deutsche Angaben die Nacht zum 11. Februar. Sie wurde 81 Jahre alt. Ihr Name bleibt mit einem der dunkelsten Machtzentren des 20. Jahrhunderts verbunden und mit der späten Einsicht, dass Nähe zu Verbrechen nicht erst dort beginnt, wo jemand Befehle gibt.
bis 1944