

Deutscher Schauspieler und Theaterregisseur
Ulrich Mühe (* 20. Juni 1953 in Grimma; gestorben am 22. Juli 2007 in Walbeck) war ein deutscher Schauspieler. Er prägte zunächst das Theater der DDR, später das deutsche Film- und Fernsehschaffen und wurde international durch seine Rolle als Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler in Das Leben der Anderen bekannt.
Mühe wuchs in Sachsen auf. Nach einer Lehre als Baufacharbeiter und dem Wehrdienst studierte er Schauspiel an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig. Früh zeigte sich eine Arbeitsweise, die auf Konzentration, Genauigkeit und Zurücknahme setzte. Diese Eigenschaften machten ihn für Theaterrollen ebenso prägnant wie später für Kameraarbeiten, in denen kleine Bewegungen und Pausen viel tragen konnten.
Nach ersten Engagements in Karl-Marx-Stadt kam Mühe Anfang der 1980er-Jahre an das Deutsche Theater in Berlin. Dort arbeitete er mit wichtigen Regisseuren und spielte klassische wie zeitgenössische Rollen. Das Theater wurde für ihn ein Ort künstlerischer Präzision und politischer Aufmerksamkeit. Am 4. November 1989 gehörte er zu den Schauspielern, die sich an der großen Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz beteiligten.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Mühe auch im Fernsehen und Kino einem breiteren Publikum bekannt. Er spielte in Krimis, Dramen und Literaturverfilmungen, ohne seine Theaterherkunft zu verlieren. In Funny Games von Michael Haneke zeigte er eine kontrollierte, verletzliche Präsenz; in anderen Rollen verband er stille Intensität mit genauer Beobachtung. Seine Auftritte wirkten oft gerade deshalb stark, weil sie nicht auf äußere Überwältigung setzten.
2006 spielte Mühe in Florian Henckel von Donnersmarcks Das Leben der Anderen den Stasi-Offizier Gerd Wiesler. Die Rolle verlangte Strenge, innere Verschiebung und sehr sparsames Spiel. Der Film wurde international ausgezeichnet und erhielt später den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Mühe gewann den Europäischen Filmpreis als bester Schauspieler und wurde damit kurz vor seinem Tod auch außerhalb Deutschlands weithin wahrgenommen.
Die Wirkung des Films wurde durch Mühes eigene DDR-Erfahrung verschärft. Er sprach öffentlich über Stasi-Akten und erhob Vorwürfe gegen seine frühere Ehefrau Jenny Gröllmann, die diese bestritt. Der Streit wurde juristisch und publizistisch ausgetragen und bleibt vorsichtig einzuordnen. In seiner Darstellung in Das Leben der Anderen verband Mühe persönliche Erfahrung, historische Kenntnis und schauspielerische Kontrolle.
Ulrich Mühe starb am 22. Juli 2007 in Walbeck an Krebs. Er wurde 54 Jahre alt. Sein Andenken ist mit großer Theaterarbeit, mit präzisem Filmschauspiel und mit einer Rolle verbunden, die das internationale Bild vom deutschen Kino der 2000er-Jahre stark mitgeprägt hat.
bis 1990
bis 2007
Das Leben der Anderen