

Israelischer Journalist, Schriftsteller und Friedensaktivist
Uri Avnery (* 10. September 1923 in Beckum als Helmut Ostermann; gestorben am 20. August 2018 in Tel Aviv) war ein israelischer Journalist, Politiker, Autor und Friedensaktivist. Er wurde zu einer der bekanntesten israelischen Stimmen für Gespräche mit Palästinenserinnen und Palästinensern und für eine Zwei-Staaten-Lösung.
Avnery wurde in eine jüdische Familie in Westfalen geboren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte die Familie 1933 nach Palästina. Aus Helmut Ostermann wurde Uri Avnery. Als Jugendlicher schloss er sich der Irgun an, einer militanten zionistischen Untergrundorganisation, verließ sie aber 1942 aus Ablehnung ihrer Methoden. Diese frühe politische Bewegung von rechts nach links prägte seinen späteren öffentlichen Weg.
Im Krieg von 1948 kämpfte Avnery in israelischen Einheiten und wurde schwer verwundet. Die Erfahrung von Krieg, Nationalgründung und Gewalt wurde zu einem Ausgangspunkt seiner journalistischen Arbeit. 1950 übernahm er mit Schalom Cohen das Magazin HaOlam HaZeh. Das Blatt wurde für Enthüllungen, Angriffe auf Machtstrukturen und eine Sprache bekannt, die die politische Öffentlichkeit Israels provozierte. Avnery verstand Journalismus als Gegenmacht, nicht als bloße Begleitung der Regierungspolitik.
1965 zog Avnery in die Knesset ein. Er verband parlamentarische Arbeit mit Publizistik und blieb ein Außenseiter, der häufig gegen Mehrheitsstimmungen sprach. Nach dem Sechstagekrieg wurde seine Forderung nach Anerkennung palästinensischer nationaler Rechte zu einem zentralen Thema. Für Unterstützer war er ein früher Realist des Friedens; für Gegner überschritt er rote Linien und schwächte Israel. Gerade diese Gegensätze machten ihn zu einer dauerhaft umstrittenen Figur.
Am 3. Juli 1982 traf Avnery während des Libanonkriegs in Beirut Yasser Arafat. Das Treffen war für viele Israelis ein Tabubruch, weil die PLO damals offiziell als Feind galt. Avnery sah darin einen notwendigen Schritt, um mit der palästinensischen Führung zu sprechen. 1993 gründete er Gush Shalom, eine Friedensbewegung, die gegen Besatzung und Siedlungspolitik protestierte und für Verhandlungen eintrat. Er schrieb und demonstrierte bis ins hohe Alter.
Avnery erhielt internationale Auszeichnungen, darunter 2001 den Right Livelihood Award. Seine Arbeit wurde weltweit als mutiger Einsatz für Dialog gewürdigt. Gleichzeitig blieb sie in Israel und darüber hinaus umstritten. Er befürwortete Kontakte auch zu Akteuren, mit denen viele andere nicht sprechen wollten, und kritisierte israelische Regierungen scharf. Darin liegen beide Seiten seiner öffentlichen Rolle: der unbequeme Journalist und der politische Aktivist, der bewusst Konflikt suchte, um Gespräch möglich zu machen.
Uri Avnery starb am 20. August 2018 in Tel Aviv nach einem Schlaganfall. Er wurde 94 Jahre alt. Sein Name bleibt mit einer Form politischer Öffentlichkeit verbunden, die Widerspruch, Journalismus und Friedensarbeit miteinander verband.