

Deutscher Fußballspieler und Fußballfunktionär
Bundesrepublik Deutschland bis 1990
Friedhof Ohlsdorf
Uwe Seeler (* 5. November 1936 in Hamburg; gestorben am 21. Juli 2022 in Norderstedt) war ein deutscher Fußballspieler und späterer Fußballfunktionär. Er prägte den Hamburger SV über Jahrzehnte, spielte 72-mal für die deutsche Nationalmannschaft und wurde 1972 Ehrenspielführer des DFB. In Hamburg wurde er als „Uns Uwe“ zur vertrauten Figur, weil sportliche Leistung, Bodenständigkeit und Vereinstreue bei ihm eng zusammengehörten.
Seeler wuchs in Hamburg auf und kam früh zum Hamburger SV. Sein Vater Erwin Seeler war ebenfalls Fußballer, und Uwe Seeler wurde schon als Jugendlicher eng mit dem Verein verbunden. Ab den 1950er Jahren wurde er zum Mittelpunkt des HSV-Angriffs. Er blieb dem Club auch treu, als Angebote aus dem Ausland kamen. Diese Entscheidung trug viel zu seinem Ruf bei: Seeler war nicht nur ein erfolgreicher Stürmer, sondern ein Spieler, der für einen Verein, eine Stadt und eine bestimmte Form von Verlässlichkeit stand.
Sportlich war Seeler vor allem durch seine außergewöhnliche Abschlussstärke bekannt. Für den HSV erzielte er in Pflichtspielen mehr als 500 Tore; in der Liga stehen 404 Treffer in 476 Spielen. 1960 wurde er mit dem HSV deutscher Meister, 1963 gewann er den DFB-Pokal. In der ersten Bundesliga-Saison 1963/64 wurde er Torschützenkönig. Seeler war kein großer Spieler im körperlichen Sinn, aber stark in der Luft, beweglich, robust und oft dort, wo eine Torchance entstand.
Für die Bundesrepublik spielte Seeler bei vier Weltmeisterschaften: 1958, 1962, 1966 und 1970. Er erzielte 43 Tore in 72 Länderspielen und führte die Mannschaft häufig als Kapitän. Das WM-Finale 1966 in Wembley blieb der schmerzhafteste Moment seiner Nationalmannschaftskarriere; 1970 erreichte Deutschland nach dem Halbfinale gegen Italien Platz drei. Seeler wurde nie Weltmeister, aber sein Umgang mit Niederlagen gehörte zu dem Bild, das viele Menschen von ihm behielten.
Am 1. Mai 1972 wurde Seeler in Hamburg mit einem Abschiedsspiel geehrt. Im selben Jahr ernannte ihn der DFB nach Fritz Walter zum zweiten Ehrenspielführer der Nationalmannschaft. Nach seiner aktiven Laufbahn blieb er dem Fußball und dem HSV verbunden, auch wenn spätere Funktionärszeiten nicht frei von Problemen waren. Sein öffentliches Ansehen beruhte weniger auf einer makellosen Karriere nach dem Spiel als auf der Verbindung von sportlicher Größe, Nahbarkeit und glaubwürdiger Loyalität.
Uwe Seeler starb am 21. Juli 2022 in Norderstedt. Hamburg und der HSV ehrten ihn mit einer öffentlichen Trauerfeier im Volksparkstadion. Seine Erinnerung ist nicht nur an Tore, Titel und Länderspiele gebunden, sondern auch an die seltene Rolle eines Fußballers, der über Vereinsgrenzen hinweg respektiert wurde.