

Österreichische Medienkünstlerin
VALIE EXPORT (* 17. Mai 1940 in Linz als Waltraud Lehner; gestorben am 14. Mai 2026 in Wien) war eine österreichische Medien-, Performance- und Filmkünstlerin. Seit den späten 1960er-Jahren arbeitete sie mit Körper, Sprache, Kamera, öffentlichem Raum und neuen Medien und veränderte damit die feministische Kunst in Europa.
1967 legte sie den Namen Waltraud Lehner beziehungsweise Hollinger ab und nannte sich VALIE EXPORT, geschrieben in Versalien. Der neue Name war kein Künstlername im dekorativen Sinn, sondern ein Konzept: eine selbst gesetzte Identität, die weder über Vater noch Ehemann definiert war. Die Anlehnung an eine Zigarettenmarke machte daraus zugleich ein Logo, ein Zeichen und eine frühe Arbeit an medialer Selbstproduktion.
EXPORT arbeitete im Umfeld des Wiener Avantgardefilms und setzte ihm eine entschieden feministische Medienpraxis entgegen. In Aktionen wie TAPP und TASTKINO und Aktionshose: Genitalpanik verschob sie die Beziehung zwischen Bild, Körper und Publikum. Ihre Arbeiten fragten, wer schaut, wer gezeigt wird und wie der weibliche Körper in Film, Werbung und Alltag verfügbar gemacht wird. Die Schärfe dieser Aktionen lag in der Kontrolle über Blick, Sprache und Darstellung.

Ihr Werk umfasst Aktionen, Fotografien, Experimentalfilme, Videos, Installationen, Skulpturen, Texte und kuratorische Projekte. EXPORT gehörte 1968 zu den Mitgründerinnen und Mitgründern der Austrian Filmmakers Cooperative. Für sie war Film mehr als ein Leinwandereignis: ein System aus Technik, Körper, Wahrnehmung und Macht. Später entstanden auch Arbeiten im öffentlichen Raum, in denen Zeichen, Architektur und Bewegung miteinander verbunden wurden.
EXPORT nahm an großen internationalen Ausstellungen teil, darunter documenta und die Biennale von Venedig. 1980 vertraten Maria Lassnig und VALIE EXPORT als erste Künstlerinnen Österreich im österreichischen Pavillon der Biennale. Sie lehrte in den USA, in Berlin und bis 2005 an der Kunsthochschule für Medien Köln. 2019 erhielt sie den Roswitha-Haftmann-Preis, 2022 den Max-Beckmann-Preis und hohe österreichische Auszeichnungen.


Mit dem VALIE EXPORT Center Linz wurde ihr Vorlass zu einem Forschungsort für Medien- und Performancekunst. Das passt zu einem Werk, das immer auch Dokument, Spur, Wiederholung und Analyse mitdachte. EXPORT hinterließ keine geschlossene Stilmarke, sondern ein offenes Arbeitsfeld: Körper als Medium, Bild als Machtform, Sprache als Material und Kunst als Eingriff in gesellschaftliche Ordnungen.
VALIE EXPORT starb am 14. Mai 2026 in Wien, drei Tage vor ihrem 86. Geburtstag. Ihr Werk bleibt mit einer Kunst verbunden, die nicht um Erlaubnis bat, sondern eigene Formen des Sehens, Sprechens und Handelns entwickelte.