

Deutsch-britischer Islamwissenschaftler
Wilferd Madelung (* 26. Dezember 1930 in Stuttgart; gestorben am 9. Mai 2023) war ein deutsch-britischer Islamwissenschaftler und Historiker. Seine Forschung behandelte vor allem die frühe und mittelalterliche islamische Geschichte, schiitische Traditionen, Ismailiten, Zaiditen, Ibaditen und theologische Schulen des Islam.
Madelung kam nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten und studierte zunächst an der Georgetown University. 1951 ging er nach Kairo, wo er arabische Literatur und islamische Geschichte studierte. In Hamburg promovierte er 1957 über die Qarmaten und Fatimiden; die Arbeit blieb eng mit seinen späteren Themen verbunden.
Nach Stationen in Bagdad, Texas und Hamburg lehrte Madelung an der University of Chicago islamische Geschichte. 1978 wurde er Laudian Professor of Arabic an der University of Oxford und Fellow von St John's College. Diese Oxford-Zeit dauerte bis 1998 und prägte viele seiner Arbeiten zur politischen und religiösen Geschichte des frühen Islam.
Madelung arbeitete stark mit arabischen und persischen Primärquellen. Sein Buch The Succession to Muhammad von 1997 wurde besonders für die Neubewertung früher Nachfolgedebatten gelesen. Daneben publizierte er zu ismailitischen Lehren, zayditischer Theologie, ibaditischen Texten und zur intellektuellen Geschichte islamischer Gemeinschaften.
Seit 1999 war Madelung Senior Research Fellow am Institute of Ismaili Studies in London und Fellow der British Academy. Dort arbeitete er weiter an Editionen, Forschungsprojekten und Beiträgen zur Geschichte muslimischer Denkströmungen. 2013 erhielt er den Farabi International Award für seine Arbeit zu islamischen und iranischen Studien.
Wilferd Madelung starb am 9. Mai 2023 im Alter von 92 Jahren. Sein Werk verbindet quellennahe Philologie mit historischen Fragen nach religiöser Autorität, Gemeinschaft und politischer Nachfolge im Islam.