
André Previn (* 6. April 1929 in Berlin als Andreas Ludwig Priwin; gestorben am 28. Februar 2019 in Manhattan, New York) war ein deutsch-US-amerikanischer Pianist, Dirigent, Komponist und Arrangeur. Er bewegte sich mit ungewöhnlicher Sicherheit zwischen Hollywood, Jazz, klassischer Musik und zeitgenössischer Komposition und wurde mit vier Oscars, zahlreichen Grammys und internationalen Ehrungen ausgezeichnet.
Previn wurde in Berlin in eine jüdische Familie geboren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten floh die Familie zunächst nach Frankreich und gelangte 1939 in die Vereinigten Staaten. In Los Angeles wuchs Previn in unmittelbarer Nähe zur Filmindustrie auf. Schon als Jugendlicher arbeitete er musikalisch für Studios, arrangierte, spielte Klavier und lernte, wie präzise Musik eine Szene tragen kann. Diese frühe Erfahrung wurde später zu einer seiner großen Stärken.
In den 1940er- und 1950er-Jahren wurde Previn zu einem gefragten Musiker in Hollywood. Er arbeitete für MGM, schrieb Arrangements, dirigierte Studiomusik und komponierte für Filme. Zugleich trat er als Jazzpianist hervor, nahm mit eigenen Trios auf und spielte mit Sängerinnen und Musikern aus der Welt des Great American Songbook. Diese doppelte Praxis war wichtig: Previn dachte Musik nicht in festen Schubladen, sondern als Handwerk, Sprache, Rhythmus und dramatische Wirkung.
Seine größte Sichtbarkeit im Film erreichte Previn mit den Musicals und Adaptionen der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre. Er gewann Oscars für Gigi, Porgy and Bess, Irma la Douce und My Fair Lady. Diese Arbeiten zeigen seine Fähigkeit, bestehendes Material neu zu organisieren, Farben des Orchesters zu setzen und populäre Melodien mit filmischer Eleganz zu verbinden. Der Erfolg in Hollywood war nicht nur Routine, sondern hochprofessionelle Musikalität unter engen Produktionsbedingungen.
Ab den 1960er-Jahren verlagerte Previn sein öffentliches Profil stärker zur klassischen Musik. Nach Studien bei Pierre Monteux wurde er Chefdirigent und Musikdirektor großer Orchester, darunter des Houston Symphony Orchestra, des London Symphony Orchestra, des Pittsburgh Symphony Orchestra, der Los Angeles Philharmonic und des Royal Philharmonic Orchestra. Besonders seine Jahre in London machten ihn einem breiten Fernsehpublikum bekannt. Er konnte komplexe Musik ohne falsche Vereinfachung zugänglich erklären.
Previn blieb auch als Komponist aktiv. Er schrieb Konzerte, Kammermusik, Orchesterwerke, Lieder und Opern, darunter A Streetcar Named Desire nach Tennessee Williams. Späte Werke entstanden unter anderem für Musikerinnen und Musiker wie Kathleen Battle, Vladimir Ashkenazy und Anne-Sophie Mutter. Dass Previn zwischen Jazzclub, Filmstudio, Konzertsaal und Opernbühne wechseln konnte, war kein Zufall, sondern Ausdruck eines musikalischen Denkens, das Stilgrenzen ernst nahm und zugleich durchlässig machte.
André Previn starb am 28. Februar 2019 in Manhattan im Alter von 89 Jahren. Sein Werk bleibt außergewöhnlich breit: Oscar-prämierte Filmmusik, Jazzaufnahmen, Dirigate großer Orchester, eigene Kompositionen und eine seltene Gabe, sehr verschiedene musikalische Welten miteinander sprechen zu lassen. Er war ein Künstler, der Vielseitigkeit nicht als Nebeneinander verstand, sondern als Form musikalischer Intelligenz.
bis 1957
Gigi
bis 1970
Porgy und Bess
Das Mädchen Irma la Douce
My Fair Lady
bis 1979
bis 2002
bis 2006