
Österreichischer Schauspieler und Filmregisseur
Nymphenburger Friedhof
Bernhard Wicki (* 28. Oktober 1919 in St. Pölten; gestorben am 5. Januar 2000 in München) war ein österreichisch-schweizerischer Schauspieler, Filmregisseur, Drehbuchautor und Fotograf. Im deutschsprachigen Kino bleibt sein Name vor allem mit Die Brücke verbunden, einem der prägenden Antikriegsfilme der Nachkriegszeit.
Wicki wurde in Niederösterreich geboren; sein Vater stammte aus der Schweiz, seine Mutter aus Österreich-Ungarn. Er studierte zunächst Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik und wechselte dann zur Schauspielausbildung. 1939 wurde er wegen seiner Nähe zur bündischen Jugend mehrere Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Nach seiner Freilassung setzte er seine Ausbildung und Theaterarbeit in Wien und später in der Schweiz fort.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Wicki an deutschsprachigen Bühnen und kam Anfang der 1950er-Jahre zum Film. In Helmut Käutners Die letzte Brücke wurde er einem größeren Kinopublikum bekannt. Georg Wilhelm Pabst besetzte ihn in Es geschah am 20. Juli als Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Später spielte Wicki auch bei Michelangelo Antonioni, Rainer Werner Fassbinder, Andrzej Wajda und Wim Wenders.
1959 führte Wicki bei Die Brücke Regie. Der Film erzählt von Jugendlichen, die in den letzten Kriegstagen eine militärisch bedeutungslose Brücke verteidigen sollen. Wicki inszenierte den Stoff ohne triumphale Geste: Die jungen Figuren erscheinen als Opfer ideologischer Verführung und eines Krieges, der längst verloren ist. Der Film wurde international ausgezeichnet und für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.
Nach Die Brücke drehte Wicki Das Wunder des Malachias, arbeitete an den deutschen Abschnitten von The Longest Day mit und inszenierte internationale Produktionen wie The Visit mit Ingrid Bergman und Anthony Quinn sowie Morituri mit Marlon Brando und Yul Brynner. Seine Filme suchten häufig nach moralischer Zuspitzung, nach Bildern für Gewalt, Verantwortung und die Folgen politischer Verblendung.
Wicki blieb bis in die 1990er-Jahre als Schauspieler und Regisseur aktiv. Er fotografierte, arbeitete für Kino und Fernsehen und wurde in Deutschland als eigenwillige, kompromissarme Filmstimme wahrgenommen. Nach seinem Tod entstand der Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds; der Filmpreis Die Brücke zeichnet seitdem Werke aus, die sich mit Frieden, Humanität und politischer Verantwortung verbinden.
Bernhard Wicki starb am 5. Januar 2000 in München. Er wurde 80 Jahre alt und auf dem Nymphenburger Friedhof beigesetzt. In der Erinnerung an ihn zählt vor allem eine Haltung: Film beschönigt Gewalt nicht, macht Verantwortung sichtbar und nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer ernst.