

Deutscher Physiker und Philosoph
Königreich Württemberg
Carl Friedrich von Weizsäcker (* 28. Juni 1912 in Kiel; gestorben am 28. April 2007 in Starnberg) war ein deutscher Physiker, Philosoph und Friedensforscher. Sein Leben verband theoretische Physik, Wissenschaftsphilosophie, Politikberatung und die Frage nach der Verantwortung von Forschung im Atomzeitalter.
Weizsäcker stammte aus einer bekannten deutschen Familie; sein Vater Ernst von Weizsäcker war Diplomat, sein jüngerer Bruder Richard wurde später Bundespräsident. Carl Friedrich studierte Physik, Astronomie und Mathematik in Berlin, Göttingen und Leipzig, besonders im Umfeld Werner Heisenbergs. Mit Arbeiten zur Kernphysik und zur Energieerzeugung in Sternen fand er schon in den 1930er-Jahren internationale Beachtung.
Während des Nationalsozialismus arbeitete Weizsäcker im deutschen Uranprojekt mit. Diese Phase bleibt historisch belastet, weil deutsche Physiker unter Kriegsbedingungen an Kernforschung arbeiteten und die Frage nach Absicht, Wissen und Verantwortung bis heute diskutiert wird. Weizsäckers spätere Friedensarbeit hebt diese Vergangenheit nicht auf. Sie gehört zu dem Spannungsfeld, in dem seine öffentlichen Überlegungen zu Schuld, Einsicht und wissenschaftlicher Verantwortung gelesen werden.
Nach dem Krieg arbeitete Weizsäcker am Max-Planck-Institut für Physik in Göttingen. 1957 gehörte er zu den achtzehn Atomwissenschaftlern, die mit der Göttinger Erklärung gegen eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr Stellung nahmen. Dieser Schritt machte ihn zu einer wichtigen Stimme in der westdeutschen Atomdebatte. Er sprach nicht nur als Naturwissenschaftler, sondern als jemand, der die politischen Folgen wissenschaftlicher Erkenntnis öffentlich verhandeln wollte.
Weizsäcker wandte sich zunehmend der Philosophie der Naturwissenschaften zu. In Hamburg beschäftigte er sich mit den begrifflichen Grundlagen der Physik; später leitete er in Starnberg gemeinsam mit Jürgen Habermas das Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt. Dort rückten Atomkrieg, Umweltzerstörung, Entwicklungspolitik und die Folgen moderner Technik in den Mittelpunkt. Seine Arbeit suchte Verbindung zwischen Naturwissenschaft, Ethik und politischer Praxis.
1963 erhielt Weizsäcker den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Es folgten weitere Auszeichnungen, darunter der Erasmuspreis, der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa und der Templeton Prize. Er schrieb Bücher über Naturgeschichte, Philosophie, Religion, Krieg und Frieden. Seine Sprache blieb oft anspruchsvoll, aber sein Grundthema war klar: Wissen schafft Macht, und Macht verlangt verantwortliche Begrenzung.
Carl Friedrich von Weizsäcker starb am 28. April 2007 in Starnberg. Er wurde 94 Jahre alt. Sein Werk als Forscher und Denker glättet die deutsche Nachkriegsgeschichte nicht, sondern berührt gerade ihre schwierigsten Fragen: Atomforschung, Schuld, Frieden und die politische Verantwortung der Wissenschaft.