

Österreichischer Dirigent
Carlos Kleiber (* 3. Juli 1930 in Berlin als Karl Ludwig Bonifatius Kleiber; gestorben am 13. Juli 2004 in Slowenien) war ein deutsch-österreichischer Dirigent. Er trat selten auf, hinterließ nur eine kleine Zahl offizieller Aufnahmen und gilt dennoch als eine der prägenden Dirigentenfiguren des 20. Jahrhunderts.
Kleiber war der Sohn des Dirigenten Erich Kleiber und der US-Amerikanerin Ruth Goodrich. Nachdem Erich Kleiber Deutschland aus Protest gegen das NS-Regime verlassen hatte, führte die Familie ein unstetes Leben und ließ sich schließlich in Südamerika nieder. Carlos Kleiber studierte zunächst in Zürich Jura und Chemie, wandte sich dann aber in Buenos Aires der Musik zu. Sein Weg ans Pult begann nicht mit großer Öffentlichkeit, sondern in der Arbeit kleinerer Häuser und unter dem Pseudonym Karl Keller.
1955 dirigierte Kleiber in Potsdam die Operette Gasparone. Danach arbeitete er als Korrepetitor und Dirigent, unter anderem in Düsseldorf, Zürich und Stuttgart. Sein Repertoire blieb schmaler als das vieler Kollegen, doch gerade diese Konzentration wurde zu einem Merkmal seiner Kunst. Er suchte Werke, in denen er jede Phrase, jede rhythmische Bewegung und jedes Verhältnis zwischen Bühne und Orchester bis ins Detail gestalten konnte.
Besonders eng war Kleiber mit der Bayerischen Staatsoper verbunden. Dort debütierte er am 13. Januar 1968 mit Der Rosenkavalier und dirigierte in den folgenden zwei Jahrzehnten zahlreiche Aufführungen und Konzerte. Auch Wien, Bayreuth, Covent Garden, La Scala und später die Metropolitan Opera prägten seinen internationalen Ruf. Wagner, Strauss, Verdi, Beethoven, Brahms und Schubert gehörten zu den Komponisten, mit denen sein Name besonders verbunden blieb.
Kleiber war für äußerste Genauigkeit bekannt. Musikerinnen und Musiker beschrieben Proben, in denen technische Präzision, musikalische Vorstellungskraft und körperliche Zeichensprache zusammenkamen. Zugleich galt er als unberechenbar: Er gab kaum Interviews, sagte Auftritte ab, nahm nur ausgewählte Engagements an und entzog sich der Routine des internationalen Musikbetriebs. Diese Zurückhaltung wurde zu einem festen Teil seines öffentlichen Bildes.
Seine Diskografie ist klein, aber einflussreich. Die Einspielungen von Beethovens Fünfter und Siebter Symphonie, Brahms' Vierter, Schuberts Symphonien sowie Opernaufnahmen wie Der Freischütz, La traviata, Die Fledermaus und Tristan und Isolde wurden zu Referenzen für viele Hörerinnen, Hörer und Musiker. 1989 dirigierte er das Wiener Neujahrskonzert, 1992 noch einmal; beide Auftritte machten seine Kunst auch einem breiten Fernsehpublikum sichtbar.
Carlos Kleiber starb am 13. Juli 2004 in Slowenien, wenige Monate nach dem Tod seiner Frau Stanka. Er wurde 74 Jahre alt. Sein Andenken ruht weniger auf einem großen Amt oder einer langen Liste von Aufnahmen als auf der Intensität einzelner Aufführungen, die für viele Menschen Maßstäbe des Dirigierens setzten.