

Deutscher Politiker (CDU), ehemaliger Ministerpräsident Niedersachsens
Ernst Carl Julius Albrecht (* 29. Juni 1930 in Heidelberg; gestorben am 13. Dezember 2014 in Burgdorf-Beinhorn) war ein deutscher CDU-Politiker, Jurist und Volkswirt. Von 1976 bis 1990 war er Ministerpräsident von Niedersachsen. Vor seiner Landespolitik arbeitete er in Brüssel für die Montanunion und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft.
Albrecht wuchs in Bremen und im Oldenburger Land auf. Nach dem Abitur studierte er Philosophie und Evangelische Theologie in Tübingen, Ithaca und Basel, anschließend Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Tübingen und Bonn. 1953 schloss er als Diplom-Volkswirt ab, 1959 wurde er in Bonn promoviert. Ab 1954 arbeitete er in Brüssel, zunächst beim Ministerrat der Montanunion, später an Fragen des Gemeinsamen Marktes und in der EWG-Kommission.
1969 trat Albrecht der CDU bei. 1970 wurde er in den Niedersächsischen Landtag gewählt, 1971 wechselte er mit seiner Familie aus Brüssel in die Nähe von Hannover und arbeitete bei Bahlsen. Seine europäische Verwaltungserfahrung und seine wirtschaftspolitischen Themen machten ihn innerhalb der niedersächsischen CDU rasch zu einer profilierten Figur.
Am 6. Februar 1976 wurde Albrecht Ministerpräsident von Niedersachsen. Der Weg dorthin war ungewöhnlich: Nach dem Rücktritt Alfred Kubels erhielt Albrecht Stimmen aus dem sozialliberalen Lager und bildete zunächst eine Minderheitsregierung. 1977 kam eine Koalition mit der FDP zustande, 1978 und 1982 gewann die CDU absolute Mehrheiten. Erst 1990 verlor Albrecht die Landtagswahl gegen Gerhard Schröder.
Albrechts Regierung setzte auf Wirtschafts- und Technologiepolitik, ländliche Räume, Sozialstationen und eine stärkere Landesidentität. In seine Amtszeit fielen der Tag der Niedersachsen, die Stiftung Niedersachsen und die Aufnahme vietnamesischer Bootsflüchtlinge. Medienpolitisch trieb er die Zulassung privater Fernsehsender voran. Zugleich blieben Entscheidungen zu Gorleben, die Auseinandersetzung um Atomenergie und spätere Untersuchungen und Konflikte ein Teil seiner politischen Bilanz.
Ernst Albrecht war mit Heide-Adele Albrecht verheiratet; zu seinen Kindern gehören Ursula von der Leyen und Hans-Holger Albrecht. Nach dem Ende seiner Amtszeit zog er sich aus der aktiven Politik zurück und lebte auf dem Familiengut in Burgdorf-Beinhorn. Dort starb er am 13. Dezember 2014.
bis 2002