

Deutscher Chemiker und Nobelpreisträger
Friedhof Solln
Ernst Otto Fischer (* 10. November 1918 in Solln bei München; gestorben am 23. Juli 2007 in München) war ein deutscher Chemiker. Er erhielt 1973 gemeinsam mit Geoffrey Wilkinson den Nobelpreis für Chemie für Pionierarbeiten zur Chemie metallorganischer Sandwichverbindungen. Seine Forschung half, die Organometallchemie als modernes Feld zwischen anorganischer und organischer Chemie zu etablieren.
Fischer wuchs in München auf; sein Vater war Physiker an der Technischen Hochschule München. Nach Schule, Arbeitsdienst und Militärdienst begann Fischer 1941/42 während eines Studienurlaubs mit dem Chemiestudium. Der Krieg unterbrach seine Ausbildung. Nach seiner Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nahm er das Studium in München wieder auf, schloss es 1949 ab und promovierte 1952 bei Walter Hieber.
Ausgangspunkt der späteren Nobelarbeit war Ferrocene, ein damals neu synthetisierter Stoff mit ungeklärter Struktur. Fischer erkannte, dass ein Eisenatom zwischen zwei ringförmigen organischen Gruppen angeordnet ist. Diese Art von Verbindung wurde als Sandwichstruktur beschrieben. Unabhängig von ihm arbeitete Geoffrey Wilkinson an denselben Fragen. Die Erkenntnis öffnete einen neuen Blick auf Metall-Kohlenstoff-Bindungen und auf Verbindungen, die weder klassisch organisch noch klassisch anorganisch zu verstehen waren.
Fischers Laufbahn blieb eng mit München verbunden. Er arbeitete an der Technischen Hochschule München, später an der LMU und ab 1964 wieder an der Technischen Hochschule, aus der die Technische Universität München wurde. Dort war er Ordinarius für Anorganische Chemie. Seine Forschung reichte über die frühen Sandwichkomplexe hinaus, unter anderem zu Metallcarbonyl-, Carben- und Carbynkomplexen. Viele spätere Entwicklungen der Organometallchemie und Katalyse knüpften an solche Grundlagenarbeiten an.
1973 wurde Fischer gemeinsam mit Geoffrey Wilkinson mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Die Nobelstiftung begründete die Ehrung mit ihrer unabhängig geleisteten Pionierarbeit zu organometallischen Sandwichverbindungen. Entscheidend war nicht ein einzelnes technisches Verfahren, sondern ein neues Strukturverständnis: Metalle konnten in organische Molekülarchitekturen eingebunden sein, die vorher kaum vorstellbar gewesen waren.
Ernst Otto Fischer starb am 23. Juli 2007 in München. Seine Biografie steht für eine Forschung, die aus genauer Strukturaufklärung ein neues chemisches Gebiet entstehen ließ. Er blieb in München verwurzelt und prägte dort über Jahrzehnte die anorganische Chemie.