

Österreichische Schriftstellerin
Friederike Mayröcker (* 20. Dezember 1924 in Wien; gestorben am 4. Juni 2021 in Wien) war eine österreichische Schriftstellerin. Sie schrieb Gedichte, Prosa, Hörspiele, Theatertexte und Kinderbücher und wurde zu einer der eigenständigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
Mayröcker wuchs in Wien auf; Sommer in Deinzendorf prägten ihre frühe Wahrnehmung von Landschaft, Erinnerung und Sprache. Schon als Jugendliche begann sie zu schreiben. Nach der Schule legte sie die Staatsprüfung in Englisch ab und arbeitete von 1946 bis 1969 als Englischlehrerin an Wiener Hauptschulen. Parallel dazu veröffentlichte sie erste Texte in Zeitschriften und entwickelte eine literarische Arbeit, die sich früh gegen glatte Erzählformen stellte.
In den 1950er-Jahren kam Mayröcker mit Autorinnen und Autoren aus dem Umfeld der Wiener Gruppe in Kontakt. Ernst Jandl wurde ihr Lebensgefährte und ein wichtiger künstlerischer Partner. Ihre Texte arbeiteten mit Collage, Montage, Traumbildern, Erinnerungssplittern und musikalischem Rhythmus. Sie beschrieb nicht einfach Welt, sondern verwandelte Wahrnehmung in Sprachbewegung. Gerade dadurch entstanden Bücher, die dicht, offen und zugleich sehr persönlich wirken.
Mayröcker veröffentlichte mehr als achtzig Bücher. Dazu zählen Lyrikbände, Prosawerke, Hörspiele und experimentelle Texte. Der Band Tod durch Musen aus den 1960er-Jahren machte sie breiter sichtbar; später folgten Werke wie mein Herz mein Zimmer mein Name, brütt oder Die seufzenden Gärten, Requiem für Ernst Jandl, ich bin in der Anstalt und fleurs. Ihr Schreiben blieb bis ins hohe Alter produktiv und suchend.
Mayröcker erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur, den Georg-Büchner-Preis und 2016 den ersten Österreichischen Buchpreis. Diese Preise bestätigten eine Autorin, die nie auf leichte Zugänglichkeit zielte. Ihre Wirkung entstand aus Genauigkeit, Klang, Bildkraft und einer radikalen Treue zum eigenen Verfahren. Für viele jüngere Schriftstellerinnen und Schriftsteller wurde sie gerade deshalb zu einer wichtigen Bezugsfigur.
Auch nach dem Tod Ernst Jandls im Jahr 2000 schrieb Mayröcker weiter gegen Verlust, Alter und Verstummen an. Ihr Arbeitszimmer, oft beschrieben als Raum voller Papiere, Bücher und Notizen, wurde zum sichtbaren Zeichen ihrer Schreibweise: Alles konnte Material werden. In den späten Büchern verband sie Trauer, Alltag, Erinnerung und Gegenwart zu einer Literatur, die nicht abschloss, sondern weiter tastete.
Friederike Mayröcker starb am 4. Juni 2021 in Wien. Sie wurde 96 Jahre alt. Ihr Werk bleibt als eine ungewöhnlich konsequente Erforschung dessen, was Sprache aus Wahrnehmung, Liebe, Schmerz und Erinnerung machen kann.