

US-amerikanischer Historiker
Fritz Richard Stern (* 2. Februar 1926 in Breslau; gestorben am 18. Mai 2016 in New York) war ein deutsch-amerikanischer Historiker. Er forschte zur deutschen Geschichte, zur Geschichte von Jüdinnen und Juden in Deutschland, zu Nationalsozialismus, politischer Kultur und Erinnerung. An der Columbia University in New York lehrte er über Jahrzehnte; zugleich sprach und schrieb er regelmäßig für ein deutsches und amerikanisches Publikum.
Stern wurde in Breslau, dem heutigen Wrocław, in eine Familie jüdischer Herkunft geboren, die zum Protestantismus übergetreten war. Sein Vater Rudolf Stern war Arzt und Forscher, seine Mutter Käthe Brieger Stern engagierte sich in Bildungsfragen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor die Familie in Deutschland zunehmend Sicherheit und Rechte. 1938 floh sie in die Vereinigten Staaten, kurz vor den Novemberpogromen.
In New York besuchte Stern die Schule und studierte anschließend an der Columbia University. Dort blieb er als Historiker, Lehrer und akademischer Organisator eng verbunden. Er promovierte 1953 und lehrte deutsche Geschichte an Columbia; später war er dort auch Provost. Deutsche Geschichte berührte für ihn eigene Familiengeschichte, Sprache, politische Wachsamkeit und den Blick auf die Gefährdung liberaler Ordnungen.
1961 erschien The Politics of Cultural Despair. Darin untersuchte Stern Autoren wie Paul de Lagarde, Julius Langbehn und Arthur Moeller van den Bruck und fragte, wie antimoderne, völkische und autoritäre Denkmuster in Deutschland wirksam wurden. Das Buch gehört zur Erforschung politischer Ideen, die den Nationalsozialismus nicht vollständig erklären, aber geistige Vorläufer und Resonanzräume sichtbar machen.
1977 veröffentlichte Stern Gold and Iron: Bismarck, Bleichröder, and the Building of the German Empire. Das Buch verband die Geschichte Otto von Bismarcks mit der des jüdischen Bankiers Gerson von Bleichröder. Stern zeigte daran politische Macht, Finanzwelt, Emanzipation, Antisemitismus und die Grenzen bürgerlicher Integration im Kaiserreich. Die deutsche Ausgabe erschien unter dem Titel Gold und Eisen.
Stern schrieb Essays, hielt Reden und mischte sich immer wieder in deutsche Debatten über Erinnerung, Demokratie und Nationalismus ein. 1999 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seiner Rede in der Frankfurter Paulskirche sprach er über deutsche Vergangenheit, historische Verantwortung und die Notwendigkeit einer wachen demokratischen Kultur. Zu seinen späteren Büchern gehörte Five Germanys I Have Known.
Fritz Stern starb am 18. Mai 2016 in New York. Er wurde 90 Jahre alt. Seine Laufbahn verbindet Exilerfahrung, amerikanische Universitätsgeschichte, Forschung zur deutschen Moderne und eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Brüchen deutscher Geschichte.