

Britischer Theaterautor, Theaterregisseur und Journalist
Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden
George Tabori (* 24. Mai 1914 in Budapest als György Tábori; gestorben am 23. Juli 2007 in Berlin) war ein ungarisch-britischer Schriftsteller, Dramatiker, Drehbuchautor, Übersetzer und Theaterregisseur. Er verband Exilgeschichte, jüdische Erfahrung, britisch-amerikanische Jahre und deutsches Nachkriegstheater zu einem Werk, das Erinnerung nicht feierlich erstarren ließ.
Tabori wuchs in einer jüdischen Familie in Budapest auf. Anfang der 1930er-Jahre ging er zur Ausbildung in die Hotellerie nach Berlin und Dresden und erlebte dort den Aufstieg des Nationalsozialismus aus nächster Nähe. 1936 emigrierte er nach London. Sein Vater Cornelius Tabori wurde später in Auschwitz ermordet; seine Mutter überlebte die Deportation. Diese familiäre Geschichte blieb ein Kern seiner Arbeit.
In Großbritannien arbeitete Tabori als Journalist, Übersetzer, BBC-Mitarbeiter und zeitweise für den britischen Nachrichtendienst. 1947 ging er in die USA. Dort schrieb er Romane, Theaterstücke und Drehbücher, unter anderem für Alfred Hitchcocks Film I Confess. Er bewegte sich im Umfeld von Exilautorinnen und Exilautoren und arbeitete mit Bertolt Brecht. Tabori schrieb lange auf Englisch, bevor sein Theater im deutschsprachigen Raum seine größte Wirkung entfaltete.
Mit Stücken wie The Cannibals, Mein Kampf und Mutters Courage stellte Tabori Gewalt, Antisemitismus und deutsche Erinnerung auf die Bühne. Sein Humor diente nicht der Verharmlosung. Er öffnete einen Raum, in dem Angst, Schuld, Groteske und Zärtlichkeit nebeneinander auftreten konnten. Gerade dadurch wurden seine Inszenierungen im deutschen Theater unbequem und produktiv.
1971 kam Tabori mit einem DAAD-Stipendium nach Deutschland. Er arbeitete in Berlin, Bremen, München und Wien, gründete das Bremer Theaterlabor und leitete später das Theater Der Kreis in Wien. In seinen Proben verband er Textarbeit, Improvisation und körperliche Präsenz. Schauspielerinnen und Schauspieler beschrieben ihn als Regisseur, der Genauigkeit verlangte, aber Widerspruch, Spiel und Risiko zuließ.
In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde Tabori zu einer wichtigen Figur des deutschsprachigen Theaters. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den Mülheimer Dramatikerpreis und 1992 den Georg-Büchner-Preis. Ab 1999 arbeitete er am Berliner Ensemble. Sein Werk blieb kosmopolitisch: Budapest, London, New York, Berlin und Wien waren keine bloßen Stationen, sondern verschiedene Sprachen und Erinnerungsräume seines Theaters.
George Tabori starb am 23. Juli 2007 in Berlin. Er wurde 93 Jahre alt. Sein Andenken ist mit einem Theater verbunden, das der Gewalt des 20. Jahrhunderts nicht auswich und dennoch auf Witz, Menschlichkeit und die Offenheit des Spiels setzte.
bis 1972