

US-amerikanischer Politiker, 38. Präsident der Vereinigten Staaten
4
Gerald R. Ford Presidential Museum
Gerald Ford (* 14. Juli 1913 in Omaha, Nebraska, als Leslie Lynch King Jr.; gestorben am 26. Dezember 2006 in Rancho Mirage, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Politiker und von 1974 bis 1977 der 38. Präsident der Vereinigten Staaten. Er wurde nach dem Rücktritt Richard Nixons Präsident und ist bis heute der einzige US-Präsident, der weder zum Präsidenten noch zum Vizepräsidenten gewählt worden war. Seine Amtszeit steht für den Versuch, nach Watergate staatliches Vertrauen wiederherzustellen, aber auch für eine der umstrittensten Entscheidungen der amerikanischen Nachkriegspolitik: die Begnadigung Nixons.

Ford kam in Omaha zur Welt, wuchs aber in Grand Rapids, Michigan, auf. Nach der Trennung seiner Eltern nahm er den Namen seines Stiefvaters Gerald R. Ford Sr. an. An der University of Michigan spielte er erfolgreich Football und schloss 1935 sein Studium ab. Danach studierte er Jura in Yale. Im Zweiten Weltkrieg diente er in der U.S. Navy im Pazifik und erreichte den Rang eines Lieutenant Commander. Diese frühen Stationen prägten ein öffentliches Bild, das später immer wieder betont wurde: Ford galt als diszipliniert, körperlich robust, kollegial und weniger ideologisch als viele andere Politiker seiner Generation.
1948 heiratete Ford Elizabeth Anne Bloomer, bekannt als Betty Ford, und wurde im selben Jahr in das Repräsentantenhaus gewählt. Dort vertrat er Michigan über Jahrzehnte. Er arbeitete sich nicht über große Reden, sondern über Verlässlichkeit, Ausschüsse, Kontakte und innerparteiliche Organisation nach oben. 1965 wurde er republikanischer Fraktionsführer im Repräsentantenhaus. Ford war konservativ in Haushaltsfragen, aber als Person oft zugänglicher und pragmatischer als die Konflikte, in denen er stand. Gerade deshalb erschien er 1973 vielen Abgeordneten als akzeptable Lösung, als nach Spiro Agnews Rücktritt ein neuer Vizepräsident gebraucht wurde.
Ford wurde im Dezember 1973 nach den Regeln des 25. Verfassungszusatzes Vizepräsident. Nur acht Monate später trat Richard Nixon wegen Watergate zurück. Am 9. August 1974 wurde Ford Präsident. Seine ersten Worte zielten auf Beruhigung: Die lange nationale Krise sei vorbei. Doch dieser Satz konnte die Lage nicht einfach beenden. Die Regierung erbte Misstrauen gegen das Weiße Haus, Inflation, Rezession, die Spätfolgen des Vietnamkriegs und eine republikanische Partei, die durch Watergate schwer beschädigt war.
Am 8. September 1974 begnadigte Ford Richard Nixon vollständig für mögliche Straftaten während dessen Präsidentschaft. Ford erklärte die Entscheidung als Versuch, das Land aus der dauernden Fixierung auf Watergate zu lösen. Viele Bürgerinnen und Bürger sahen darin jedoch einen Bruch des Gerechtigkeitsempfindens oder vermuteten einen politischen Handel. Der Pressesprecher des Weißen Hauses trat zurück, Fords Zustimmung brach ein, und die Entscheidung überschattete seine Amtszeit. Im Oktober 1974 erschien Ford freiwillig vor einem Unterausschuss des Repräsentantenhauses, um die Begnadigung zu erklären. Später wurde diese Entscheidung milder beurteilt; 2001 erhielt Ford dafür den Profile in Courage Award.
Fords Regierung arbeitete in einem Land, das politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich müde war. Die Inflation blieb hoch, die Rezession drückte auf Arbeitsplätze, und seine Kampagne Whip Inflation Now konnte die Probleme nicht lösen. Außenpolitisch blieb Henry Kissinger eine zentrale Figur. 1975 endete der Vietnamkrieg; die Evakuierung südvietnamesischer Verbündeter und die Mayaguez-Krise zeigten, wie schwierig es war, nach einem verlorenen Krieg Handlungsfähigkeit zu zeigen, ohne neue Wunden zu schlagen. Auch innenpolitisch stieß Ford oft an Grenzen: Ein demokratisch kontrollierter Kongress, viele Vetos und eine Regierung im Übergang machten sein Präsidentenamt zu einer Arbeit gegen Misstrauen und Erschöpfung.
Zur Geschichte dieser Präsidentschaft gehört auch Betty Ford. Sie sprach ungewöhnlich offen über Brustkrebs, später über Sucht und Behandlung, und wurde dadurch selbst zu einer wichtigen öffentlichen Figur. Das veränderte die Wahrnehmung des Präsidentenpaares: Neben Gerald Fords nüchterner, institutioneller Rolle stand eine First Lady, die persönliche Verletzlichkeit und gesellschaftliche Tabus sichtbar machte. Diese Offenheit passte nicht immer in konservative Erwartungen, prägte aber das Bild der Familie Ford nachhaltig.
1976 musste Ford zunächst eine schwere innerparteiliche Herausforderung durch Ronald Reagan abwehren. Danach verlor er die Präsidentschaftswahl knapp gegen Jimmy Carter. Die Niederlage hing mit der Nixon-Begnadigung zusammen, aber nicht nur mit ihr: Ford kämpfte auch gegen wirtschaftliche Unsicherheit, Wahrnehmungen von Schwäche und die Last einer Amtsübernahme, die nie durch eine Wahl bestätigt worden war. Nach dem Ende seiner Präsidentschaft blieb er öffentlich präsent, arbeitete in Stiftungen und Gremien und wurde später für seine Integrität gewürdigt.
Gerald Ford starb am 26. Dezember 2006 in Rancho Mirage. Er wurde 93 Jahre alt. Sein politisches Vermächtnis ist leise und widersprüchlich: Er war kein Präsident großer Visionen, sondern einer, der in einer beschädigten Lage Stabilität herstellen wollte. Die Nixon-Begnadigung bleibt der zentrale Streitpunkt seines Lebens. Gerade darin liegt Fords historische Bedeutung: Er traf eine Entscheidung, die viele damals als falsch empfanden, die später aber auch als Versuch gelesen wurde, die Handlungsfähigkeit des Staates nach Watergate zurückzugewinnen.
bis 2006
Gerald Ford pardon of Richard Nixon