

Deutscher Politiker (SPD), 5. Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
Hamburg
periphere Arterielle Verschlusskrankheit
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Friedhof Ohlsdorf
Helmut Schmidt (* 23. Dezember 1918 in Hamburg; gestorben am 10. November 2015 in Hamburg) war ein deutscher SPD-Politiker, von 1974 bis 1982 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und später Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit. Er galt als nüchterner Krisenpolitiker, als international denkender Realist und als eine der prägenden Stimmen der Bonner Republik. Seine Laufbahn verband Hamburger Verwaltungspraxis, wirtschaftspolitische Kompetenz, Sicherheitspolitik und eine bis ins hohe Alter hörbare öffentliche Urteilskraft.
Schmidt wurde in Hamburg geboren. Sein Vater war Lehrer; die Familiengeschichte war auch durch jüdische Herkunft auf väterlicher Seite geprägt. Im Zweiten Weltkrieg diente Schmidt in der Wehrmacht. Nach 1945 gehörte er zu jener Generation, die sich in einem demokratischen Staat neu orientieren musste. Er studierte Volkswirtschaft in Hamburg, trat der SPD bei und arbeitete sich in Verwaltung und Politik hoch. Diese Mischung aus Kriegserfahrung, ökonomischem Denken und praktischer Verwaltung prägte seinen späteren Stil.
Bundesweit bekannt wurde Schmidt 1962 als Hamburger Innensenator während der Sturmflut. In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar traf die Katastrophe Hamburg schwer; 315 Menschen starben allein im Stadtgebiet. Schmidt organisierte Hilfe mit einer Entschlossenheit, die später zu seinem Markenzeichen wurde. Er rief militärische und zivile Unterstützung aus dem In- und Ausland, koordinierte Hubschraubereinsätze und setzte sich über Zuständigkeitsfragen hinweg. Sein Ruf als Krisenmanager entstand nicht in einer Rede, sondern in einer akuten Notlage.
Nach seiner Rückkehr in den Bundestag wurde Schmidt zu einem wichtigen Fachpolitiker der SPD. In der Regierung Willy Brandts war er zunächst Verteidigungsminister, später Finanzminister. Er kannte die Sprache der Haushalte, der Bündnisse und der internationalen Wirtschaft. Nach Brandts Rücktritt in der Guillaume-Affäre übernahm Schmidt am 16. Mai 1974 das Kanzleramt. Er trat nicht als charismatischer Erneuerer auf, sondern als Mann der Konzentration, der die sozialliberale Koalition durch schwierige Jahre führen sollte.
Schmidts Kanzlerschaft fiel in eine Zeit wirtschaftlicher Belastung. Die Ölkrisen, steigende Arbeitslosigkeit und internationale Unsicherheit verlangten politische Koordination über nationale Grenzen hinaus. Gemeinsam mit Valéry Giscard d’Estaing trieb Schmidt die regelmäßigen Weltwirtschaftsgipfel voran und arbeitete am Europäischen Währungssystem mit. Er setzte Brandts Entspannungspolitik fort, unterzeichnete 1975 die Schlussakte von Helsinki und suchte zugleich eine feste Einbindung der Bundesrepublik in NATO und Europäische Gemeinschaft.
1977 wurde die Bundesrepublik durch den Terror der RAF erschüttert. Die Entführung Hanns Martin Schleyers und die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut stellten die Regierung vor eine extreme Entscheidung. Schmidt leitete den Krisenstab und entschied, den Forderungen der Terroristen nicht nachzugeben. Am 18. Oktober 1977 befreite die GSG 9 die Geiseln in Mogadischu. Kurz darauf wurde Schleyer ermordet aufgefunden. Diese Tage gehören zu den dunkelsten Momenten der Bundesrepublik und zeigen zugleich die Härte von Schmidts Staatsverständnis: Schutz des Rechtsstaats ohne Kapitulation vor Erpressung.
Noch stärker umstritten wurde Schmidt durch seine Sicherheitspolitik. Angesichts sowjetischer SS-20-Mittelstreckenraketen unterstützte er den NATO-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979: Abrüstungsverhandlungen einerseits, mögliche Stationierung neuer westlicher Mittelstreckenwaffen andererseits. Für Schmidt war das eine Frage strategischen Gleichgewichts. Für viele in der Friedensbewegung und zunehmend auch in seiner eigenen Partei war es ein gefährlicher Kurs. Der Konflikt trug zur Erosion der sozialliberalen Koalition bei.
1980 wurde Schmidt noch einmal zum Bundeskanzler gewählt. Doch die Spannungen zwischen SPD und FDP über Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie über den sicherheitspolitischen Kurs wuchsen. Am 1. Oktober 1982 endete seine Kanzlerschaft durch ein konstruktives Misstrauensvotum. Helmut Kohl wurde mit Stimmen von CDU/CSU und Teilen der FDP zum neuen Kanzler gewählt. Schmidt verlor das Amt, blieb aber eine politische Autorität.
Nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik wurde Schmidt Mitherausgeber von Die Zeit und schrieb zahlreiche Bücher, Essays und Kommentare. Er sprach über Weltpolitik, Wirtschaft, Europa, China, die USA, Religion, Verantwortung und die Grenzen moralischer Gewissheit in der Politik. Sein Ton war oft knapp, scharf und selbstbewusst. Gerade dadurch blieb er präsent: als Altkanzler, der nicht nur zurückblickte, sondern die Gegenwart beurteilte.
Helmut Schmidt war seit 1942 mit Hannelore „Loki“ Schmidt verheiratet. Die Ehe wurde zu einem festen Teil seines öffentlichen Bildes, ohne bloße Kulisse zu sein. Loki Schmidt starb 2010. Helmut Schmidt starb am 10. November 2015 in Hamburg. Viele Nachrufe würdigten seine Disziplin, seine Krisenfestigkeit und seine internationale Bildung, erinnerten aber auch an seine Härte und an politische Entscheidungen, die bis heute diskutiert werden.
Helmut Schmidts Vermächtnis liegt in der Verbindung von Pragmatismus und Verantwortung. Er war kein Politiker der großen Versprechen, sondern der Lageeinschätzung. Seine Stärke war der kühle Blick in Krisen; seine Grenze lag dort, wo politische Nüchternheit als Unnachgiebigkeit empfunden wurde. In der deutschen Erinnerung bleibt er als Kanzler der schwierigen 1970er-Jahre, als Hamburger, Europäer, Atlantiker, Publizist und als eine Stimme, die Vertrauen weniger durch Wärme als durch Klarheit gewann.
bis 2010