

Deutsche Chemikerin
Hessy Levinsons Taft, geboren als Hessy Lewinsohn, (* 17. Mai 1934 in Berlin; gestorben am 1. Januar 2026 in San Francisco) war eine deutsch-jüdische Chemikerin und Hochschullehrerin. Ihr Säuglingsfoto wurde 1935 ohne Wissen ihrer Familie in der NS-Propaganda als angebliches Bild eines „arischen“ Kindes verbreitet. Später erzählte sie diese Geschichte selbst und machte deutlich, wie falsch und gefährlich die rassistischen Kategorien hinter dem Bild waren.
Hessy Lewinsohn wurde in Berlin als Tochter von Jacob und Pauline Lewinsohn geboren. Ihre Eltern waren jüdische Opernsänger, die aus Lettland nach Deutschland gekommen waren. Als Hessy wenige Monate alt war, ließ ihre Mutter ein Porträt von ihr bei dem Fotografen Hans Ballin machen. Die Familie hielt das Bild zunächst für ein privates Andenken.
Ballin reichte das Foto ohne Zustimmung der Eltern bei einem Wettbewerb ein, der ein angeblich ideales „arisches“ Baby auszeichnen wollte. Das Bild erschien auf dem Titel der Zeitschrift Sonne ins Haus und wurde weiter verbreitet. Als die Eltern davon erfuhren, fürchteten sie, dass die jüdische Herkunft ihrer Tochter entdeckt werden könnte. Ballin erklärte später, er habe die NS-Rassenideologie durch die Einreichung eines jüdischen Kindes in Frage stellen wollen.
Die Familie verließ Deutschland 1938. Ihr Weg führte über Lettland und Frankreich nach Kuba und schließlich in die Vereinigten Staaten. Aus Hessy Lewinsohn wurde nach ihrer Heirat Hessy Levinsons Taft. Sie studierte Chemie am Barnard College und Biochemie an der Columbia University. Später lehrte sie an der St. John's University in New York und engagierte sich in der American Chemical Society.
Die Geschichte des Fotos wurde erst Jahrzehnte später öffentlich erzählt. Taft gab eine mündliche Erinnerung für das United States Holocaust Memorial Museum und übergab 2014 ein Exemplar der Zeitschrift an Yad Vashem. Für sie lag darin auch späte Genugtuung: Ein Bild aus der Bildsprache einer mörderischen Ideologie wurde zum Beleg ihrer Absurdität.
Hessy Levinsons Taft starb am 1. Januar 2026 in San Francisco. Sie wurde 91 Jahre alt. Ihr Leben verbindet eine frühe Gefährdung durch antisemitische Verfolgung, die Arbeit einer Wissenschaftlerin und ein öffentliches Zeugnis über die Lüge, die ihrem Kinderfoto einst zugeschrieben wurde.