

Deutsche Lyrikerin
Bergfriedhof
Hilde Domin, geboren als Hildegard Dina Löwenstein (* 27. Juli 1909 in Köln; gestorben am 22. Februar 2006 in Heidelberg), war eine deutsch-jüdische Lyrikerin, Autorin, Übersetzerin und Literaturtheoretikerin. Ihr Werk ist eng mit Exil, Rückkehr, Sprache und der Frage verbunden, wie Hoffnung nach Verlust und Vertreibung möglich bleibt.
Domin wuchs in Köln auf. Ihr Vater Eugen Siegfried Löwenstein war Rechtsanwalt, ihre Mutter Paula Löwenstein ausgebildete Sängerin. Nach dem Abitur begann sie ein juristisches Studium und wechselte später zu Volkswirtschaft, Sozial- und Politikwissenschaft sowie philosophischen Vorlesungen. Sie studierte in Heidelberg, Köln, Berlin und Florenz.
1932 ging sie mit Erwin Walter Palm nach Italien. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb Italien zur ersten Exilstation; 1935 schloss Domin in Florenz ihr Studium ab, 1936 heiratete das Paar. Die italienischen Rassengesetze machten auch diesen Ort unsicher. 1939 flohen Domin und Palm über Paris und England, 1940 erreichten sie die Dominikanische Republik.
In Santo Domingo arbeitete Domin als Lehrerin, Übersetzerin und Dozentin. Dort begann sie in den 1950er-Jahren auf Deutsch zu schreiben. Ihr Künstlername Hilde Domin verweist auf das Land, das ihr Zuflucht bot. Die Jahre in der Karibik wurden für ihr Schreiben zu einem Ausgangspunkt für Motive wie Fremde, Verlust und neue Zugehörigkeit.
1954 kehrte Domin nach Deutschland zurück, zunächst mit wechselnden Aufenthalten. 1959 erschien ihr erster Lyrikband Nur eine Rose als Stütze. Ab 1961 lebte sie in Heidelberg. Es folgten Gedichtbände, Essays, Übersetzungen, Herausgaben und Prosatexte wie Das zweite Paradies. Mit Wozu Lyrik heute schrieb sie auch über die Rolle von Gedichten und Lesern.
Domin blieb bis zu ihrem Lebensende mit Heidelberg verbunden. Die Stadt ernannte sie zur Ehrenbürgerin und widmet ihr Ausstellungen, Plaketten und literarische Programme. Zu ihren Auszeichnungen gehörten unter anderem der Nelly-Sachs-Preis, das Bundesverdienstkreuz erster Klasse und hohe Ehrungen aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und der Dominikanischen Republik. Hilde Domin starb am 22. Februar 2006 in Heidelberg und wurde auf dem Bergfriedhof beigesetzt.