

Österreichischer Pianist
Jörg Demus (* 2. Dezember 1928 in St. Pölten; gestorben am 16. April 2019 in Wien) war ein österreichischer Pianist, Komponist und Lehrer. Er spielte als Solist, Liedbegleiter und Kammermusiker, arbeitete mit Sängerinnen und Sängern wie Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Schwarzkopf, Elly Ameling und Peter Schreier und beschäftigte sich intensiv mit historischen Tasteninstrumenten.
Demus wurde in eine kunstnahe Familie geboren. Sein Vater Otto Demus war Kunsthistoriker, seine Mutter Erika Demus Konzertgeigerin. Mit sechs Jahren erhielt er Klavierunterricht, mit elf Jahren kam er an die Wiener Staatsakademie für Musik. Dort studierte er Klavier, Orgel, Dirigieren und Komposition. Diese breite Ausbildung prägte sein Musizieren: Für Demus stand das Klavier in Verbindung mit Gesang, Form, Klangfarbe und musikalischer Struktur.
Schon als Jugendlicher trat Demus im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins auf. Nach dem Studium ging er nach Paris zu Yves Nat und nahm später Unterricht bei Walter Gieseking. In den frühen 1950er-Jahren folgten Auftritte in London, Zürich und Südamerika. 1956 gewann er den ersten Preis beim Internationalen Klavierwettbewerb Ferruccio Busoni in Bozen. Dieser Erfolg festigte seine internationale Laufbahn, ohne ihn auf eine einzige Rolle festzulegen.
Demus spielte ein weites Repertoire von Bach, Mozart, Beethoven und Schubert bis zu Schumann und Debussy. Besonders sichtbar wurde er als Partner im Lied und in der Kammermusik. Mit Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Schwarzkopf, Elly Ameling und Peter Schreier gab er Liederabende und machte Aufnahmen; mit Paul Badura-Skoda spielte er vierhändig und veröffentlichte ein Buch über Beethovens Klaviersonaten. Dabei zählten Sprache, Atmung und Dialog ebenso wie pianistische Brillanz.
Ein besonderer Teil seines Wirkens galt Hammerklavieren und anderen historischen Tasteninstrumenten. Demus sammelte solche Instrumente, spielte darauf Konzerte und machte hörbar, wie stark sich Klang, Anschlag und Ausdruck je nach Instrument verändern. In Weyregg am Attersee verband er diese Sammlung mit Kursen und einem Museum. Seine Beschäftigung mit alten Instrumenten war keine Nostalgie, sondern eine Suche nach Nähe zu den Klangwelten der Komponisten.
Demus unterrichtete in Wien und Stuttgart und gab Kurse in Europa, Amerika und Asien. Zu seinen Auszeichnungen gehörten der Beethoven-Ring der Wiener Beethoven-Gesellschaft, die Mozart-Medaille der Mozartgemeinde Wien, der Jakob-Prandtauer-Preis und der Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau. Diese Ehrungen spiegeln verschiedene Seiten seines Profils: österreichische Musiktradition, Schumann-Pflege, historische Aufführungspraxis und lebenslange Arbeit mit jungen Musikerinnen und Musikern.
Jörg Demus starb am 16. April 2019 in Wien. Er wurde 90 Jahre alt. Sein Name bleibt mit einer stillen, forschenden Form des Klavierspiels verbunden: aufmerksam gegenüber Text und Klang, nah an Sängerinnen und Sängern, offen für alte Instrumente und geprägt von einer langen Wiener Musiktradition.
bis 1945