

Helferin von Anne Frank und anderen versteckten Juden
Miep Gies (* 15. Februar 1909 in Wien als Hermine Santruschitz; gestorben am 11. Januar 2010 in Hoorn) war eine österreichisch-niederländische Helferin der Familie Frank und anderer jüdischer Verfolgter in Amsterdam. Sie versorgte die Menschen im Hinterhaus und rettete nach deren Verhaftung Anne Franks Tagebuch.
Gies wurde in Wien geboren und kam nach dem Ersten Weltkrieg als krankes Kind zur Erholung in die Niederlande. Dort wuchs sie in einer Pflegefamilie auf und blieb in Amsterdam. Aus Hermine wurde Miep, eine Frau zwischen österreichischer Herkunft und niederländischem Alltag. In den 1930er-Jahren arbeitete sie bei Otto Frank in der Firma Opekta. Aus dem Arbeitsverhältnis entstand Vertrauen, das während der deutschen Besatzung lebensgefährlich werden sollte.
Als die Familie Frank am 6. Juli 1942 in das Versteck an der Prinsengracht ging, gehörte Miep Gies zu den Menschen, die den Alltag dort möglich machten. Gemeinsam mit Jan Gies, Bep Voskuijl, Johannes Kleiman, Victor Kugler und anderen half sie mit Lebensmitteln, Nachrichten, Büchern und alltäglichen Dingen. Im Hinterhaus lebten neben Otto, Edith, Margot und Anne Frank auch Hermann, Auguste und Peter van Pels sowie Fritz Pfeffer. Die Hilfe war konkret, wiederholt und gefährlich.
Am 4. August 1944 wurde das Versteck entdeckt. Die acht untergetauchten Menschen wurden verhaftet und später deportiert. Miep Gies blieb zurück. Nach der Durchsuchung sammelte sie Anne Franks Tagebuchhefte und lose Blätter ein und bewahrte sie auf, ohne sie zu lesen. Als Otto Frank als einziger der acht Menschen aus dem Hinterhaus zurückkehrte und vom Tod seiner Familie erfuhr, gab sie ihm die Aufzeichnungen seiner Tochter.
Ohne Gies' Entscheidung, die Papiere zu sichern, wäre Anne Franks Stimme möglicherweise verloren gegangen. Zugleich betonte Gies später immer wieder, dass sie sich nicht als außergewöhnlich verstand. Sie sprach über Verantwortung, Hilfe und die Möglichkeit, in einer konkreten Situation nicht wegzusehen. Nach der Veröffentlichung des Tagebuchs blieb sie mit Otto Frank verbunden und setzte sich gegen Holocaustleugnung und Verfälschungen der Geschichte ein.
1972 erkannte Yad Vashem Miep und Jan Gies als Gerechte unter den Völkern an. Weitere Ehrungen folgten. Für viele Leserinnen und Leser des Tagebuchs wurde Miep Gies zu einem Namen für Hilfe unter Gefahr. Wichtig bleibt dabei, dass ihre Geschichte nicht nur vom geretteten Tagebuch handelt, sondern auch von den acht Menschen, die nicht gerettet werden konnten, und von den vielen Formen stiller Unterstützung während der Verfolgung.
Miep Gies starb am 11. Januar 2010 in Hoorn. Sie wurde 100 Jahre alt. Ihr Leben bleibt mit Anne Frank verbunden, aber auch mit einer einfachen, schweren Frage: Was tut ein Mensch, wenn Nachbarn, Kolleginnen und Freunde verfolgt werden?
bis 1993