

Saudi-arabischer Politiker und Kronprinz
Al Adl cemetery
Naif ibn Abd al-Aziz Al Saud (* 9. Oktober 1934 in Taif; gestorben am 16. Juni 2012 in Genf), auch Nayef bin Abdulaziz geschrieben, war ein saudischer Prinz, langjähriger Innenminister und von Oktober 2011 bis zu seinem Tod Kronprinz Saudi-Arabiens. Er gehörte zu den sogenannten Sudairi-Söhnen König Abd al-Aziz' und prägte über Jahrzehnte die Sicherheits- und Innenpolitik des Königreichs.
Naif wurde in Taif geboren und an der Prinzenschule sowie durch religiöse und politische Lehrer ausgebildet. Als Sohn des Staatsgründers König Abd al-Aziz wuchs er in einer Familie auf, in der politische Macht, Verwaltung und dynastische Ordnung eng miteinander verbunden waren. Schon früh übernahm er Aufgaben in Riad und stieg Schritt für Schritt in den inneren Verwaltungsapparat des Königreichs auf.
Seit Mitte der 1970er-Jahre stand Naif an der Spitze des Innenministeriums. Dieses Ressort war in Saudi-Arabien weit mehr als eine Verwaltungsbehörde: Es kontrollierte innere Sicherheit, Polizei, politische Überwachung, Grenzfragen und große Teile des Umgangs mit religiösem und gesellschaftlichem Protest. Naifs lange Amtszeit machte ihn zu einer der mächtigsten Figuren des Staates.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und besonders nach Angriffen innerhalb Saudi-Arabiens zwischen 2003 und 2006 führte Naif den Kampf gegen al-Qaida im Königreich. International wurde er dafür als wichtiger Sicherheitsakteur wahrgenommen. Zugleich galt er als konservativ, eng mit religiösen Kräften verbunden und hart gegenüber Opposition, Aktivisten und Reformforderungen. Diese beiden Seiten bestimmten den Blick auf seine Rolle: Stabilisierung des Staates und politische Kontrolle.
Im Oktober 2011 ernannte König Abdullah Naif nach dem Tod von Kronprinz Sultan zum neuen Kronprinzen. Damit rückte er in der Thronfolge an die Spitze, blieb aber nur wenige Monate in dieser Position. Seine Ernennung zeigte erneut, wie die Nachfolge im saudischen Königshaus damals noch vor allem zwischen den Söhnen des Staatsgründers organisiert wurde.
Naif wurde meist als Gegner rascher gesellschaftlicher Öffnung beschrieben. Zugleich unterstützte er 2001 die Einführung eigener Ausweise für saudische Frauen, die zuvor oft nur über Vater oder Ehemann registriert waren. Diese einzelne Reform änderte nicht seinen konservativen Ruf, zeigt aber, dass seine Politik nicht auf ein einziges Schlagwort reduziert werden kann.
Naif ibn Abd al-Aziz starb am 16. Juni 2012 in Genf während einer medizinischen Behandlung. Er wurde 78 Jahre alt. Sein Tod löste erneut Fragen nach der saudischen Thronfolge aus und ebnete den Weg für die Ernennung seines Bruders Salman zum Kronprinzen.