

Deutscher Kinderbuchautor
Erste Tschechoslowakische Republik
Städtischer Friedhof Rosenheim
Otfried Preußler (* 20. Oktober 1923 in Reichenberg, Böhmen; gestorben am 18. Februar 2013 in Prien am Chiemsee) war ein deutscher Schriftsteller und Lehrer. Mit Büchern wie Der kleine Wassermann, Die kleine Hexe, Der Räuber Hotzenplotz, Das kleine Gespenst und Krabat prägte er Generationen von Kindern und Jugendlichen.
Preußler wuchs in Reichenberg in einer Lehrerfamilie auf. Sein Vater beschäftigte sich mit Heimatkunde und Sagen, auch die Erzähltraditionen des Isergebirges spielten in der Familie eine große Rolle. Diese Welt aus Märchen, Volksgeschichten, Landschaften und mündlichem Erzählen wurde später zu einem wichtigen Vorrat seiner Literatur. Preußler schrieb nicht aus bloßer Fantasie heraus, sondern aus einer Erinnerungskultur, die er in neue Geschichten verwandelte.
Der Zweite Weltkrieg unterbrach seine Jugend. Preußler wurde Soldat und geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach mehreren Jahren kam er nach Bayern, fand seine Familie wieder und begann in Rosenheim ein neues Leben. Er wurde Lehrer und arbeitete mit Kindern, erzählte ihnen Geschichten und merkte, welche Kraft Figuren, Stimmen und Spannungsbögen im Unterricht entfalten konnten. Aus dem Schulmeister wurde allmählich der Geschichtenerzähler.
1956 erschien Der kleine Wassermann, kurz darauf Die kleine Hexe. Preußler erzählte für Kinder verständlich, aber nie herablassend. Seine Figuren erleben Angst, Mut, Fehler, Trotz und Freundschaft. Der Räuber Hotzenplotz brachte Kasperl, Seppel, Wachtmeister Dimpfelmoser und den Kaffee raubenden Räuber in eine spielerische Welt, die stark vom mündlichen Theater und vom Spaß an Sprache lebt. Viele seiner Bücher wurden zu Klassikern, weil sie Kindern Ernst zutrauen und zugleich Freude an Abenteuer und Komik lassen.
Mit Krabat schrieb Preußler einen dunkleren Jugendroman, der auf sorbischen Sagen beruht. Die Geschichte vom Lehrjungen in der Schwarzen Mühle verbindet Magie, Verführung, Macht und Befreiung. Sie zeigt eine andere Seite seines Werks: weniger heiter, stärker existenziell und doch weiterhin erzählerisch klar. Krabat wurde zu einem seiner wichtigsten Bücher und erreichte auch Leserinnen und Leser weit über das Kinderbuchalter hinaus.
Preußler veröffentlichte mehr als dreißig Bücher, die in viele Sprachen übersetzt und millionenfach gelesen wurden. Seine Stoffe kamen auf Bühnen, in Hörspiele, Filme und Schulen. Dabei blieb sein Selbstbild einfach: Er verstand sich als Lehrer und Erzähler. Hinter der Leichtigkeit seiner bekanntesten Figuren stand eine genaue Vorstellung davon, was Geschichten leisten können: Sie führen Kinder an Angst und Mut, Regel und Freiheit, Gefahr und Trost heran, in einer Form, die sie selbst betreten können.
Otfried Preußler starb am 18. Februar 2013 in Prien am Chiemsee. Er wurde 89 Jahre alt. Sein Werk bleibt mit einer seltenen Nähe zu Kindern verbunden: Es spricht ihre Fantasie ernsthaft an, ohne sie zu überfordern, und verbindet böhmische Erzähltradition mit einer klaren, warmen deutschen Sprache.