

Deutscher Politiker (FDP), MdB, Bundesminister
Südwestkirchhof Stahnsdorf
Otto Graf Lambsdorff (* 20. Dezember 1926 in Aachen; gestorben am 5. Dezember 2009 in Bonn) war ein deutscher FDP-Politiker, Jurist und Bundesminister für Wirtschaft. Er vertrat die FDP von 1972 bis 1998 im Bundestag, warb für einen marktwirtschaftlich-liberalen Kurs und gehörte über Jahre zur Führung seiner Partei.
Lambsdorff wurde in Aachen geboren. Im Zweiten Weltkrieg wurde er Soldat und verlor bei einem Einsatz ein Bein. Nach Kriegsende studierte er Rechts- und Staatswissenschaften. Vor seinem Eintritt in die Bundespolitik arbeitete er in Banken, Versicherungen und wirtschaftsnahen Funktionen. Diese Erfahrung floss in seine spätere Sicht auf Wettbewerb, Investitionen und Unternehmenspolitik ein.
1951 trat Lambsdorff in die FDP ein, 1972 wurde er Mitglied des Deutschen Bundestages. Am 7. Oktober 1977 übernahm er das Bundesministerium für Wirtschaft. Er blieb auch nach dem Regierungswechsel von Helmut Schmidt zu Helmut Kohl im Amt. Sein wirtschaftspolitischer Kurs setzte auf Marktöffnung, Haushaltsdisziplin, weniger staatliche Eingriffe und eine engere Bindung der FDP an ordnungspolitische Positionen.
1982 legte Lambsdorff ein wirtschaftspolitisches Konzept vor, das später als Lambsdorff-Papier bezeichnet wurde. Es forderte Einschnitte, mehr Flexibilität und eine andere Sozial- und Wirtschaftspolitik. Das Papier wurde zu einem Auslöser der Koalitionskrise zwischen SPD und FDP und stand am Übergang zur Regierung Kohl.
Die Flick-Parteispendenaffäre belastete Lambsdorffs politische Laufbahn. 1984 trat er als Bundeswirtschaftsminister zurück. Später wurde er im Zusammenhang mit der Affäre wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Affäre blieb ein fester Teil seiner öffentlichen Geschichte, neben seiner Rolle als wirtschaftsliberaler Programmatiker.
Von 1988 bis 1993 war Lambsdorff FDP-Bundesvorsitzender, anschließend Ehrenvorsitzender der Partei. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag wirkte er als Beauftragter bei den Verhandlungen über Entschädigungen für ehemalige NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Otto Graf Lambsdorff starb am 5. Dezember 2009 in Bonn. Er wurde 82 Jahre alt.