

Österreichischer Pianist
Ottakringer Friedhof
Paul Badura-Skoda (* 6. Oktober 1927 in Wien; gestorben am 25. September 2019 in Wien) war ein österreichischer Pianist, Musikforscher, Herausgeber und Lehrer. Er wurde besonders mit Mozart, Beethoven und Schubert verbunden und spielte deren Werke sowohl auf modernen Konzertflügeln als auch auf historischen Instrumenten.
Badura-Skoda wuchs in Wien auf und studierte am Konservatorium der Stadt Wien Klavier und Dirigieren. 1947 gewann er den Österreichischen Musikwettbewerb; anschließend prägte ihn die Arbeit mit Edwin Fischer in Luzern. Diese frühe Begegnung mit einer älteren europäischen Klaviertradition blieb für sein Spiel entscheidend: Klang, Artikulation und Form entstanden für ihn aus dem jeweiligen Werk heraus.
1949 wurde der junge Pianist von Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan für Konzerte in Wien engagiert. Damit begann eine internationale Laufbahn, die ihn über Jahrzehnte in Konzertsäle, Festivals und Aufnahmestudios führte. Badura-Skoda trat als Solist, Kammermusiker und Dirigent auf und arbeitete mit Orchestern und Partnern, die stark von der mitteleuropäischen Musiktradition geprägt waren.
Sein Repertoire war breit, doch im Zentrum standen die Wiener Klassiker und Schubert. Badura-Skoda suchte nicht den äußerlichen Effekt, sondern einen sprechenden Ton, klare Phrasierung und Nähe zum Notentext. Gerade bei Schubert verband er Sanglichkeit mit gedanklicher Strenge. Bei Mozart und Beethoven interessierten ihn Struktur, Atem und die Frage, wie ein Klavierstück aus seiner Entstehungszeit heraus klingen kann.
Eine besondere Stellung hatte Badura-Skoda durch seine Arbeit auf historischen Klavieren. Er sammelte und spielte Instrumente, deren Klangwelt näher an der Zeit von Mozart, Beethoven oder Schubert lag. Zugleich blieb er dem modernen Konzertflügel verbunden. Diese doppelte Praxis machte seine Einspielungen für viele Hörer aufschlussreich: dieselbe Musik konnte je nach Instrument anders sprechen, leichter, kantiger, transparenter oder orchestral dichter.
Badura-Skoda war auch ein Musiker des Schreibtischs. Gemeinsam mit seiner Frau Eva Badura-Skoda arbeitete er an Studien und Editionen, darunter Texte zur Interpretation von Mozart und Bach. Er schrieb über Aufführungspraxis, bearbeitete Partituren und beschäftigte sich mit Quellen. Diese Verbindung aus Bühne und Forschung erklärte viel von seinem Profil: Für ihn gehörten Spiel, Ursprung, Notation und Klangmöglichkeiten zusammen.
Paul Badura-Skoda starb am 25. September 2019 in Wien nach langer Krankheit. Er wurde 91 Jahre alt. Sein Nachlass liegt in einer außergewöhnlich reichen Aufnahmegeschichte, in Editionen, Schriften und einer Spielhaltung, die Wiener Tradition, Neugier auf historische Klänge und geduldige Textarbeit miteinander verband.