
Österreichischer Bildhauer
Peter Hans Dimmel (* 31. August 1928 in Wien; gestorben am 5. Mai 2026) war ein österreichischer Bildhauer und engagierter Vertreter gehörloser Menschen. Seine Arbeiten in Bronze, Stein und liturgischer Ausstattung prägten über Jahrzehnte Kirchenräume in Oberösterreich, besonders in der Diözese Linz. Zugleich setzte er sich dafür ein, dass Gebärdensprache als eigenständige Sprache und gehörlose Menschen als selbstbestimmte Gemeinschaft wahrgenommen werden.

Dimmel wurde in Wien geboren. Kurz nach seiner Geburt verlor er infolge einer schweren Meningitis den Hörsinn. Sein Vater Herbert Dimmel, selbst Maler und später Leiter der Kunstschule in Linz, ließ ihn in Laut- und Gebärdensprache fördern. Von 1943 bis 1945 studierte Peter Dimmel an der Akademie für angewandte Kunst in Wien, danach arbeitete er in der Keramikwerkstatt Angermayr in Eberschwang. Von 1949 bis 1957 studierte er Bildhauerei an der Kunstschule der Stadt Linz.
Nach dem Studium arbeitete Dimmel freischaffend in Linz. Frühe Werke im öffentlichen Raum waren unter anderem Die Welt des Kindes, die Plastik Spielhahn, die Bronzeplastik Liegende im Botanischen Garten und das Nibelungenschiff beim Schlosseingang. Seine Formen wirken oft verdichtet, erzählerisch und zugleich handwerklich direkt. Figuren, Zeichen und Material bleiben bei ihm lesbar und nah an der handwerklichen Arbeit.

Ein Schwerpunkt seines Schaffens lag in sakralen Räumen. Für die Kirche St. Konrad in Linz erhielt er 1962 einen frühen großen Auftrag: Bronzetore, Kreuzweg, Vortragekreuz und Tabernakel. In den folgenden Jahrzehnten entstanden Taufsteindeckel, Kerzenständer, Tabernakel, Reliefs, Portale und weitere Ausstattungen für Kirchen in Oberösterreich. Die Diözese Linz würdigte Dimmel als Künstler, der liturgische Räume im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils mitgeprägt habe.
Der Verlust des Hörsinns prägte, wie Dimmel über Sprache, Bild und Verständigung dachte. In einem Interview sagte er sinngemäß, seine Bilder müssten für sich selbst sprechen, weil er sich über seine Arbeit nicht einfach mündlich austauschen könne. Diese Erfahrung führte nicht in Rückzug, sondern in eine Kunst, die Zeichen, Hände, Türen, Wege und Berührung ernst nahm. Viele seiner kirchlichen Werke sind deshalb auch Übersetzungen: Glaubensinhalte werden zu Formen, Oberflächen und Bewegungen.

Neben der Kunst engagierte sich Dimmel über Jahrzehnte in der Gehörlosenvertretung. Austria-Forum und die Diözese Linz heben besonders seinen Beitrag zur Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache in Oberösterreich hervor. Für diesen Einsatz wurde er unter anderem mit dem Solidaritätspreis der Kirchenzeitung ausgezeichnet. Dimmel verband künstlerische Arbeit und gesellschaftliche Verantwortung: Sichtbarkeit sollte nicht nur Werken, sondern auch Menschen gelten.
Peter Dimmel starb am 5. Mai 2026 im 98. Lebensjahr. Die Diözese Linz erinnerte an einen Künstler, der Kirchenräume über mehr als drei Jahrzehnte mitgestaltet hatte, und an einen Mann, der sich beharrlich für gehörlose Menschen einsetzte. Sein Werk bleibt in Türen, Tabernakeln, Kreuzwegen, Reliefs und öffentlichen Plastiken sichtbar.