
Deutscher Historiker
Stieghorst
Reinhart Koselleck (* 23. April 1923 in Görlitz; gestorben am 3. Februar 2006 in Bad Oeynhausen) war ein deutscher Historiker, Autor und Hochschullehrer. Er arbeitete zur Begriffsgeschichte, zur Theorie historischer Zeiten, zur politischen Ikonographie und zur Frage, wie Sprache, Erfahrung und Erwartung geschichtliches Denken formen.
Koselleck studierte nach dem Zweiten Weltkrieg in Heidelberg, unter anderem Geschichte, Philosophie, Soziologie und öffentliches Recht. Seine Dissertation wurde 1959 unter dem Titel Kritik und Krise veröffentlicht. Darin untersuchte er das Verhältnis von Aufklärung, Moral, Politik und Krise in der Entstehung der modernen bürgerlichen Welt.
Kosellecks Name ist eng mit den Geschichtlichen Grundbegriffen verbunden, dem historischen Lexikon der politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Für ihn reichten Begriffe über einzelne Wörter hinaus. Sie trugen Erfahrungen, Erwartungen, Konflikte und Veränderungen in sich. So wurde Sprache zu einem Ort, an dem sich gesellschaftliche Ordnung und geschichtliche Bewegung untersuchen lassen.
Nach Stationen in Bochum und Heidelberg wurde Koselleck 1973 Professor für Theorie der Geschichte an der Universität Bielefeld. An der Gründung und am Aufbau der Universität war er bereits zuvor beteiligt. Von 1974 bis 1975 leitete er das Zentrum für interdisziplinäre Forschung; später blieb er dem wissenschaftlichen Beirat verbunden. Die Universität richtete zu seinem Andenken die Reinhart-Koselleck-Gastprofessur ein.
In Büchern wie Vergangene Zukunft und Zeitschichten fragte Koselleck, wie Menschen Zukunft erwarten, Vergangenheit deuten und Gegenwart ordnen. Neben Texten interessierten ihn Bilder, Denkmäler, politische Rituale und Formen des Gedenkens. Seine Sammlung von Figuren, Objekten und Fotografien wird heute in Bielefeld und Marburg erschlossen.
Koselleck erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa. Am 10. Oktober 2001 wurde die Ehrendoktorwürde der Universität Denis-Diderot Paris VII bestätigt. Reinhart Koselleck starb am 3. Februar 2006 in Bad Oeynhausen. Sein Werk bleibt eng mit Bielefeld, der Begriffsgeschichte und der historischen Theorie verbunden.