

Schweizer Fotograf und gelernter Dokumentarfilm-Kameramann
René Groebli (* 9. Oktober 1927 in Zürich; gestorben am 5. Mai 2026 in Zürich) war ein Schweizer Fotograf, Fotojournalist und experimenteller Bildautor. Bekannt wurde er durch Fotobücher wie Magie der Schiene und Das Auge der Liebe, durch Reportagen, Industriefotografie, Werbearbeiten und eine ungewöhnlich freie Arbeit mit Bewegung, Unschärfe, Korn und Farbe. Sein Werk gehört zu den wichtigen Beiträgen der Schweizer Fotografie des 20. Jahrhunderts.

Groebli wuchs im Zürcher Quartier Enge auf. Zunächst zog es ihn zum Film; er begann aber eine fotografische Ausbildung und studierte 1945/46 bei Hans Finsler an der Zürcher Kunstgewerbeschule. Die klare, statische Neue Sachlichkeit entsprach ihm nur bedingt. Zwischen 1946 und 1948 ließ er sich bei Central Film und Gloria Film zum Dokumentarfilm-Kameramann ausbilden. Aus dieser Nähe zum Film entstand ein Blick, der Bewegung, Ausschnitt und Erzählfolge später in die Fotografie übertrug.
1949 veröffentlichte Groebli mit nur 22 Jahren Magie der Schiene. Das schmale Fotobuch zeigt eine Reise im Dampfzug von Paris nach Basel: Rauch, Körnung, Verwischung, Geschwindigkeit und Atmosphäre bestimmen die Bilder. Was damals von vielen noch kaum verstanden wurde, gilt heute als ein frühes Schlüsselwerk des Fotobuchs. Groebli zeigte, dass Fotografie nicht nur dokumentieren, sondern Rhythmus und subjektives Erleben formen kann.
1954 erschien Das Auge der Liebe, eine intime Serie von Bildern aus der verspäteten Hochzeitsreise mit seiner Frau Rita. Das Buch wurde zunächst kontrovers aufgenommen, weil es Nähe, Erotik und Alltag in einer damals ungewohnten Offenheit verband. Gerade darin liegt seine spätere Bedeutung: Groebli erzählte keine Reportage von außen, sondern eine private Erfahrung in einer dichten, filmisch geführten Bildfolge. Rita blieb für ihn über Jahrzehnte künstlerische Partnerin und wichtiger Gegenpol.

Mitte der 1950er-Jahre verließ Groebli den Fotojournalismus und eröffnete in Zürich ein Studio für Werbe- und Industriefotografie. Er spezialisierte sich auf Farbfotografie und perfektionierte den Dye-Transfer-Prozess. Für Groebli war Farbe kein bloßes Zusatzmittel; sie wurde zu einem eigenen Bildraum aus Leuchten, Verschiebung und Atmosphäre. 1957 nannte ihn das US Color Annual Magazine einen Master of Color. Auch in Auftragsarbeiten blieb er experimentell.
1981 verkaufte Groebli sein Studio und zog sich aus der kommerziellen Fotografie zurück. Danach wandte er sich wieder stärker freien Arbeiten, älteren Negativen, neuen Abzügen und seinem Archiv zu. Retrospektiven, Neuausgaben seiner Fotobücher und Ausstellungen in Zürich, Paris, Berlin, Wien und Amsterdam machten sichtbar, wie weit sein Werk über die bekannten frühen Serien hinausreichte. Bis ins hohe Alter blieb er mit Ausstellungen und Publikationen präsent.
René Groebli starb am 5. Mai 2026 im Alter von 98 Jahren in Zürich. Seine offizielle Gedenkseite würdigte ihn als humorvollen, innovativen und unermüdlich arbeitenden Künstler. Zurück bleibt ein Werk, das sich keiner einzigen Kategorie fügt: Eisenbahnnebel und Liebeszimmer, Industrie und Farbe, Reportage und Experiment, Dunkelkammer und Archiv.