

Deutsche römisch-katholische Ordensschwester und Lepraärztin in Pakistan
Friedhof Gora Qabaristan
Ruth Pfau (* 9. September 1929 in Leipzig; gestorben am 10. August 2017 in Karachi) war eine deutsch-pakistanische Ärztin und Ordensfrau. Sie arbeitete mehr als fünf Jahrzehnte in Pakistan und baute die Leprahilfe des Landes entscheidend mit auf. Ihr Name ist besonders mit dem Marie Adelaide Leprosy Centre in Karachi verbunden.
Pfau wurde in Leipzig geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte sie die Teilung Deutschlands und kam in den Westen, wo sie Medizin studierte. Sie trat der katholischen Gemeinschaft der Töchter vom Herzen Mariä bei. Ihre religiöse Entscheidung und ihre medizinische Ausbildung verbanden sich in einer Arbeit, die nicht auf Predigt, sondern auf Behandlung, Nähe und praktische Hilfe zielte.
1960 kam Pfau auf dem Weg nach Indien nach Karachi. Dort begegnete sie Menschen mit Lepra in einer Situation großer medizinischer Not und sozialer Ausgrenzung. Sie blieb in Pakistan und arbeitete zunächst unter einfachen Bedingungen. Aus dieser Entscheidung entwickelte sich ein landesweites Programm: Diagnose, Medikamente, Rehabilitationsarbeit, Schulung lokaler Teams und ein Netz von Behandlungsstellen, das weit über Karachi hinausreichte.
Das Marie Adelaide Leprosy Centre wurde zum Zentrum ihrer Arbeit. Pfau behandelte nicht nur eine Krankheit, sondern arbeitete gegen die Angst und Isolation, die Lepra für viele Betroffene bedeutete. Zusammen mit pakistanischen Kolleginnen und Kollegen baute sie medizinische Versorgung, Sozialarbeit und Nachsorge aus. Später kamen auch Tuberkulose, Blindheitsprävention und weitere Armutsfolgen in den Blick. Ihre Arbeit war langfristig, organisatorisch und medizinisch zugleich.
1996 galt Lepra in Pakistan nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation als unter Kontrolle. Dieser Erfolg beruhte nicht auf einer einzelnen Person allein, doch Pfau war eine der prägenden Kräfte hinter dem Programm. Pakistan ehrte sie mit hohen staatlichen Auszeichnungen. Für viele Menschen wurde sie zu einer seltenen Figur öffentlicher Dankbarkeit über religiöse und nationale Grenzen hinweg: eine deutsche Ordensfrau, die in Pakistan blieb und dort als Ärztin Vertrauen gewann.
Pfau schrieb Bücher, sprach über Krankheit, Armut und Verantwortung und blieb dem MALC bis ins hohe Alter verbunden. Der oft verwendete Beiname als „Mother Teresa of Pakistan“ zeigt die Verehrung, kann ihre Arbeit aber auch verkürzen. Entscheidend war die konkrete Struktur, die sie mit anderen aufbaute: Kliniken, mobile Teams, Behandlung, Rehabilitation und ein anderes gesellschaftliches Bild von Menschen mit Lepra.
Ruth Pfau starb am 10. August 2017 in Karachi. Sie wurde 87 Jahre alt. Pakistan ehrte sie am 19. August 2017 mit einem Staatsbegräbnis. Nach der Trauerfeier wurde ein großes Krankenhaus in Karachi nach ihr benannt. Ihr Lebenswerk bleibt mit medizinischer Beharrlichkeit, interreligiösem Respekt und der Würde von Patientinnen und Patienten verbunden.
bis 2013