
US-amerikanischer Astrophysiker
Pleasant Grove Cemetery
Thomas Gold (* 22. Mai 1920 in Wien; gestorben am 22. Juni 2004 in Ithaca, New York) war ein österreichisch-britisch-amerikanischer Astrophysiker und Wissenschaftler mit ungewöhnlich breitem Arbeitsfeld. Er arbeitete über Gehörphysiologie, Kosmologie, Pulsare, Mondforschung, Geophysik und die Entstehung von Erdöl und Erdgas.
Gold wurde in Wien geboren, erhielt einen Teil seiner Ausbildung in der Schweiz und ging kurz vor dem Zweiten Weltkrieg nach Großbritannien. In Cambridge studierte er am Trinity College. Als aus Österreich stammender Student wurde er 1940 während der britischen Internierungsmaßnahmen gegen sogenannte enemy aliens festgehalten. Dort begegnete er Hermann Bondi. Später arbeitete Gold an Radarprojekten für die britische Admiralität.
Nach dem Krieg blieb Gold in Großbritannien und arbeitete in Cambridge. Gemeinsam mit Fred Hoyle und Hermann Bondi entwickelte er die Steady-State-Theorie des Universums, die lange eine ernsthafte Alternative zur Urknalltheorie war und später durch Beobachtungen zurückgedrängt wurde. Für Gold lag der Wert einer Theorie auch in der Schärfe, mit der sie Fragen an Beobachtungen und Grundannahmen stellte.
Gold wechselte immer wieder zwischen Fachgebieten. Er veröffentlichte früh Arbeiten zur Funktion des Innenohrs, beschäftigte sich mit Magnetosphären, Pulsaren und der Oberfläche des Mondes. Vor den Apollo-Missionen warnte er vor feinem Mondstaub; die genaue Gefahr wurde kontrovers diskutiert, doch seine Aufmerksamkeit für die physikalischen Eigenschaften der Mondoberfläche prägte die Debatte. Er suchte häufig dort nach Problemen, wo etablierte Erklärungen zu bequem wirkten.
Nach Stationen in Großbritannien und Harvard kam Gold Ende der 1950er-Jahre an die Cornell University. Dort wurde er Professor für Astronomie, leitete den Aufbau des Center for Radiophysics and Space Research und prägte die Universität als Ort offener wissenschaftlicher Debatten. Er wurde Fellow der Royal Society und erhielt unter anderem die Goldmedaille der Royal Astronomical Society.
Besonders umstritten blieb Golds These, Erdöl und Erdgas hätten tiefe, nichtbiologische Ursprünge und würden mit einer unterirdischen Biosphäre zusammenhängen. Viele Geologinnen und Geologen lehnten diese Deutung ab. Gerade deshalb zeigt dieser Teil seines Werks eine Grundfigur seiner Arbeit: Gold suchte große, riskante Erklärungen und nahm Widerspruch als Teil wissenschaftlicher Auseinandersetzung in Kauf.
Thomas Gold starb am 22. Juni 2004 in Ithaca an den Folgen einer Herzerkrankung. Er wurde 84 Jahre alt. Sein Andenken ist mit einer Forschungshaltung verbunden, die Disziplingrenzen überschritt, starke Thesen prüfte und auch dann produktiv blieb, wenn eine Idee sich später nicht oder nur teilweise bestätigte.