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Tina Turner (* 26. November 1939 als Anna Mae Bullock in Brownsville, Tennessee; gestorben am 24. Mai 2023 in Küsnacht, Schweiz) war eine der prägenden Stimmen der modernen Pop- und Rockmusik. Sie wurde als Sängerin, Performerin und Bühnenpersönlichkeit weltberühmt und gilt bis heute als eine Künstlerin, die Kraft, Rhythmus, Verletzlichkeit und Selbstbestimmung in einer unverwechselbaren Form verband. Ihr Weg führte von Nutbush in Tennessee über die großen Soul- und Rockbühnen der 1960er- und 1970er-Jahre bis zu einem der bedeutendsten Comebacks der Popgeschichte.
Tina Turner kam als Anna Mae Bullock in Brownsville zur Welt und wuchs in Nutbush auf, einer kleinen Gemeinde im Westen Tennessees. Die ländliche Umgebung, die Kirche, Rhythm and Blues und die Musiktraditionen des amerikanischen Südens gehörten zu den frühen Prägungen ihres Lebens. Später griff sie diese Herkunft selbst auf, unter anderem in Nutbush City Limits, einem Song, der den Ort ihrer Kindheit in die Popgeschichte einschrieb. Aus einem Umfeld fern der großen Musikmetropolen entstand eine Stimme, die später auf Bühnen in Europa, Amerika und Asien sofort wiedererkennbar war.

In St. Louis kam Anna Mae Bullock mit der dortigen Rhythm-and-Blues-Szene in Berührung. Dort traf sie Ike Turner und wurde Teil seiner musikalischen Arbeit; aus Anna Mae Bullock wurde Tina Turner. Mit A Fool in Love gelang 1960 ein früher Erfolg, später folgten Songs wie River Deep - Mountain High, Proud Mary und Nutbush City Limits. Auf der Bühne entwickelte Turner eine Präsenz, die sich nicht allein aus Lautstärke erklärte. Ihre Stimme war rau, beweglich und direkt; ihre Performance verband Präzision mit körperlicher Energie.

Die Zusammenarbeit mit Ike Turner brachte Tina Turner internationale Aufmerksamkeit, war privat aber von Gewalt und Kontrolle belastet. Diese Zeit erklärt den späteren Neuanfang, soll aber nicht den ganzen Blick auf sie bestimmen. Turner trennte sich 1976 von Ike Turner, die Scheidung wurde 1978 rechtskräftig. Sie behielt den Künstlernamen Tina Turner und begann, sich als Solokünstlerin neu zu behaupten. Dieser Schritt war nicht nur ein privater Einschnitt, sondern auch eine künstlerische Neuordnung: Sie musste Publikum, Plattenfirmen und Bühnen erneut für sich gewinnen.
Der Wendepunkt kam in den 1980er-Jahren. Mit dem Album Private Dancer, veröffentlicht 1984, gelang Tina Turner der internationale Durchbruch als Solokünstlerin. What's Love Got to Do with It wurde zu ihrem ersten Nummer-eins-Hit in den USA und zu einem der bekanntesten Songs ihrer Karriere. Bei den Grammy Awards 1985 wurde dieser Erfolg auch institutionell sichtbar. Turner war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr die Sängerin, die an eine frühere Revue erinnert wurde, sondern eine eigenständige Pop- und Rockfigur mit neuem Sound, neuer Bildsprache und einer Stimme, die Erfahrung hörbar machte.

Nach Private Dancer blieb Tina Turner international präsent. Sie sang Songs wie We Don't Need Another Hero, spielte 1985 in Mad Max Beyond Thunderdome und füllte mit ihren Tourneen große Hallen und Stadien. Ihre Konzerte lebten von einer seltenen Balance: Sie wirkten kontrolliert und zugleich unmittelbar. Turner stand nicht für eine fragile Nostalgie, sondern für eine Bühnenenergie, die auch in den späten 1980er- und 1990er-Jahren zeitgemäß blieb. Gerade in Europa fand sie ein besonders großes Publikum.

Tina Turners Lebenswerk lässt sich nicht auf Auszeichnungen reduzieren, doch einige Daten zeigen die Breite ihrer Wirkung:
Diese Zahlen erzählen von Erfolg, aber auch von Dauer. Turner blieb nicht wegen eines einzelnen Moments im kulturellen Gedächtnis, sondern weil sie sich mehrfach neu zeigte, ohne ihre stimmliche und körperliche Direktheit zu verlieren.
In den späteren Jahren wurde die Schweiz zu Tina Turners Lebensmittelpunkt. Sie lebte mit Erwin Bach in Küsnacht am Zürichsee und nahm 2013 die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Im selben Jahr feierten Turner und Bach ihre Hochzeit. Ihre öffentlichen Auftritte wurden seltener, doch ihre Bedeutung wuchs weiter: durch Erinnerungen an ihre Konzerte, durch ihre Autobiografien, durch die Verfilmung ihrer Lebensgeschichte und durch das Musical über ihr Leben. In diesen Jahren wurde besonders sichtbar, dass sie nicht nur als Sängerin verehrt wurde, sondern als Künstlerin, die vielen Menschen ein Bild von Stärke und Selbstbestimmung gab.

Am 24. Mai 2023 starb Tina Turner im Alter von 83 Jahren in Küsnacht. Die Reaktionen auf ihren Tod kamen aus der Musik, aus der Politik, von Weggefährten und von Menschen, die ihre Lieder mit eigenen Lebensphasen verbanden. Tina Turner bleibt als Stimme, Performerin und kulturelle Figur in Erinnerung: als Künstlerin, die Soul, Rock und Pop zusammenführte, als Frau, die ihre Karriere nach schweren Einschnitten neu aufbaute, und als Mensch, dessen Präsenz auf der Bühne unmittelbar blieb. Ihr Vermächtnis liegt in Songs, in Bildern von Bewegung und Licht, aber auch in der Klarheit, mit der sie ihr eigenes Leben später selbst erzählte.
bis 1978
Proud Mary
What’s Love Got to Do with It
What’s Love Got to Do with It
Better Be Good to Me
bis 2023