

Schweizer Schriftsteller und Übersetzer
Friedhof Enzenbühl
Urs Widmer (* 21. Mai 1938 in Basel; gestorben am 2. April 2014 in Zürich) war ein Schweizer Schriftsteller, Dramatiker, Erzähler, Essayist und Hörspielautor. Er schrieb auf Deutsch und bewegte sich zwischen Prosa, Theater, Satire, Familienerzählung und poetologischer Reflexion.
Widmer wuchs in einem literarisch geprägten Elternhaus auf; sein Vater Walter Widmer war Literaturkritiker und Übersetzer. Urs Widmer studierte Germanistik, Romanistik und Geschichte in Basel, Montpellier und Paris. 1966 promovierte er über deutsche Nachkriegsprosa. Danach arbeitete er als Lektor, zunächst beim Walter Verlag in Olten und später bei Suhrkamp in Frankfurt am Main.
1968 gehörte Widmer zu den Mitgründern des Verlags der Autoren. Im selben Jahr erschien seine Erzählung Alois. In Frankfurt schrieb er als freier Autor, arbeitete für Zeitungen und lehrte zeitgenössische deutsche Literatur. 1984 kehrte er in die Schweiz zurück und lebte in Zürich.
Widmers Texte verbinden Alltagsbeobachtung, Komik, Sprachspiel und dunklere Erinnerungsräume. Zu seinen viel gelesenen Arbeiten gehören Der blaue Siphon, Der Geliebte der Mutter, Das Buch des Vaters und Ein Leben als Zwerg. Mit dem Stück Top Dogs erreichte er auch im Theater ein breites Publikum und erhielt 1997 den Mülheimer Dramatikerpreis.
In seinen späteren Büchern rückten Herkunft, Eltern, Erinnerung und das Schreiben selbst stärker in den Vordergrund. Reise an den Rand des Universums erschien 2013 und wurde mit einem Schweizer Literaturpreis 2014 ausgezeichnet. Weitere Auszeichnungen waren unter anderem der Bertolt-Brecht-Literaturpreis, der Friedrich-Hölderlin-Preis und der Jakob-Wassermann-Literaturpreis.
Urs Widmer starb am 2. April 2014 in Zürich nach längerer Krankheit. Er wurde 75 Jahre alt. Seine Bücher und Stücke verbinden ernsthafte Erinnerung, Komik und präzise Formarbeit.