

Deutscher Politiker; MdB, Bundesminister, Vizekanzler, 4. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
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Waldfriedhof Zehlendorf
Walter Scheel (* 8. Juli 1919 in Höhscheid, heute Solingen; gestorben am 24. August 2016 in Bad Krozingen) war ein deutscher FDP-Politiker. Er war Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Außenminister, Vizekanzler und von 1974 bis 1979 der vierte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Besonders eng ist sein Name mit der sozialliberalen Koalition und der neuen Ostpolitik verbunden.
Scheel wurde als Sohn eines Stellmachers im Bergischen Land geboren und machte nach dem Abitur eine Banklehre. Ein geplantes Studium kam wegen des Zweiten Weltkriegs nicht zustande; Scheel leistete Kriegsdienst in der Luftwaffe. Die Deutsche Biographie nennt für diese Jahre auch eine NSDAP-Mitgliedschaft. Nach 1945 arbeitete Scheel in der Wirtschaft und trat 1946 in die FDP ein. Sein politischer Weg begann kommunal in Solingen und führte 1950 in den Landtag Nordrhein-Westfalen.
1953 wurde Scheel in den Deutschen Bundestag gewählt. Er gehörte zu den liberalen Politikern, die wirtschaftliche Erfahrung mit europäischer Orientierung verbanden. Von 1961 bis 1966 war er Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. In diesem Amt half er, die Entwicklungspolitik der Bundesrepublik institutionell zu festigen. Innerhalb der FDP wurde Scheel zu einer führenden Figur; von 1968 bis 1974 stand er an der Spitze der Partei.
1969 bildeten SPD und FDP unter Willy Brandt die sozialliberale Koalition. Scheel wurde Außenminister und Vizekanzler. In dieser Rolle war er an der neuen Ostpolitik beteiligt, die das Verhältnis zur Sowjetunion, zu Polen und zur DDR neu ordnete. Der Grundlagenvertrag von 1972 regelte die Beziehungen zwischen Bundesrepublik und DDR auf eine neue Grundlage. Diese Politik war innenpolitisch umstritten, wurde aber zu einem zentralen Teil der Entspannungspolitik der Bundesrepublik.
Nach Willy Brandts Rücktritt im Mai 1974 führte Scheel die Bundesregierung kurzzeitig geschäftsführend, bis Helmut Schmidt zum Bundeskanzler gewählt wurde. Am 15. Mai 1974 wählte ihn die Bundesversammlung zum Bundespräsidenten. Sein Amtsantritt folgte am 1. Juli 1974. Als Staatsoberhaupt trat Scheel zugänglich und repräsentativ auf. Seine volkstümliche Seite, etwa durch die Aufnahme von Hoch auf dem gelben Wagen, machte ihn vielen Menschen bekannt; politisch blieb sein Amt vor allem durch Repräsentation, Auslandsreisen und Reden geprägt.
Nach dem Ende seiner Amtszeit 1979 blieb Scheel in Stiftungen, europäischen Zusammenhängen und wirtschaftlichen Funktionen aktiv. Er wurde Ehrenvorsitzender der FDP. Walter Scheel starb am 24. August 2016 in Bad Krozingen. Seine politische Biografie steht für einen Abschnitt der Bonner Republik, in dem liberale Politik zwischen Wirtschaft, Europa, Entwicklungspolitik und Entspannungspolitik eine prägende Rolle spielte.