

Deutscher Komponist und Pianist
Aribert Reimann (* 4. März 1936 in Berlin; gestorben am 13. März 2024 ebenda) war ein deutscher Komponist, Pianist, Liedbegleiter und Hochschullehrer. Im Zentrum seines Werks standen die menschliche Stimme, das Musiktheater und literarische Stoffe. Besonders mit Lear, Medea und L'Invisible gehört sein Name zur neueren Operngeschichte.
Reimann wuchs in einer musikalischen Familie auf. Sein Vater war Kirchenmusiker und Leiter des Berliner Domchores, seine Mutter Oratoriensängerin und Gesangspädagogin. Schon als Kind kam er mit Bühne, Gesang und Klavier in Berührung. Später studierte er an der Berliner Musikhochschule, unter anderem Komposition bei Boris Blacher und Kontrapunkt bei Ernst Pepping. Parallel arbeitete er mit Stimmen und Sängerinnen und Sängern, eine Erfahrung, die für seine Musik dauerhaft prägend blieb.
Bevor Reimann vor allem als Opernkomponist wahrgenommen wurde, machte er sich als Pianist und Liedbegleiter einen Namen. Er arbeitete mit Künstlerinnen und Künstlern wie Dietrich Fischer-Dieskau, Brigitte Fassbaender und Elisabeth Grümmer. Diese Nähe zur Stimme führte nicht zu gefälliger Vokalmusik, sondern zu einer genauen Kenntnis von Atem, Text, Klangfarbe und körperlicher Spannung. Auch als Lehrer in Hamburg und Berlin vermittelte er zeitgenössisches Lied als lebendige Praxis.
Reimanns Musiktheater suchte den Dialog mit Literatur. Zu seinen Stoffen gehörten August Strindberg, Yvan Goll, William Shakespeare, Euripides, Franz Kafka, Federico García Lorca, Franz Grillparzer und Maurice Maeterlinck. Er übernahm solche Texte nicht als Dekoration, sondern verdichtete sie für Stimmen, Räume und Orchester. Seine Opern arbeiten häufig mit seelischen Grenzsituationen, Macht, Einsamkeit, Angst und der Frage, wie Sprache unter Druck noch hörbar bleibt.
Der Durchbruch als Opernkomponist kam 1978 mit Lear, einem Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper nach Shakespeare. Dietrich Fischer-Dieskau sang bei der Uraufführung am Nationaltheater München die Titelpartie. Das Werk brachte Reimanns Umgang mit Stimme und Orchester in einer besonders dichten Form zusammen: schroffe Klangballungen, fragile Linien und eine dramatische Struktur, die den Zerfall von Ordnung und Familie musikalisch nachzeichnet.
Nach Lear schrieb Reimann weitere Opern, darunter Die Gespenstersonate, Troades, Das Schloss, Bernarda Albas Haus, Medea und L'Invisible. 2011 erhielt er den Ernst von Siemens Musikpreis für sein Lebenswerk. Die späten Werke zeigen einen Komponisten, der an der Stimme festhielt und zugleich seine musikalische Sprache immer weiter verknappte und zuspitzte.
Aribert Reimann starb am 13. März 2024 in Berlin, wenige Tage nach seinem 88. Geburtstag. Sein Werk bleibt mit einer Opernkunst verbunden, die Literatur nicht illustriert, sondern in Klang, Atem und Spannung neu befragt.
bis 1958
bis 2024