

Britischer Ismailit, Oberhaupt der Ismailiten
Agha-Khan-Mausoleum
Karim Aga Khan IV. (* 13. Dezember 1936 in Genf als Karim al-Hussaini; gestorben am 4. Februar 2025 in Lissabon) war der 49. erbliche Imam der nizaritisch-ismailitischen Schiiten. Für seine Gemeinde war er geistliches Oberhaupt; international wurde er auch als Philanthrop, Stifter, Unternehmer und Gründer des Aga Khan Development Network bekannt. Sein Leben verband religiöse Autorität, großen persönlichen Reichtum und ein weit verzweigtes Entwicklungsnetzwerk.
Karim al-Hussaini wurde in Genf geboren und verbrachte Teile seiner Kindheit in Kenia. Er entstammte einer Familie, deren religiöse Führungsrolle in der ismailitischen Tradition erblich verstanden wird. Am 11. Juli 1957 folgte er seinem Großvater Aga Khan III. als Imam nach. Er war damals noch Student in Harvard. Die Entscheidung übersprang die Generation seines Vaters Aly Khan und machte den jungen Karim zu einer religiösen Leitfigur für eine weltweit verstreute Gemeinschaft.
Als Imam verband Aga Khan IV. religiöse Führung mit dem Anspruch, Bildung, soziale Entwicklung und kulturelle Offenheit zu fördern. Er sprach häufig über Pluralismus, Verantwortung und die Vereinbarkeit von Glauben und moderner Welt. Für Ismailiten war seine Rolle nicht nur organisatorisch, sondern geistlich. Zugleich bewegte er sich in internationalen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kreisen und pflegte Beziehungen zu Regierungen, Universitäten und Stiftungen.
Sein Name ist besonders mit dem Aga Khan Development Network verbunden. Das Netzwerk wurde zu einem großen Verbund von Einrichtungen in Gesundheit, Bildung, Kultur, Mikrofinanz, ländlicher Entwicklung und Architektur. Es arbeitete in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Europas und richtete sich nicht nur an Ismailiten, sondern an breitere Bevölkerungen. Zu seinen bekannten Initiativen gehörten die Aga Khan University, die University of Central Asia, der Aga Khan Award for Architecture und Programme zur Restaurierung historischer Orte.
Aga Khan IV. lebte sichtbar privilegiert: mit Pferdezucht, Immobilien, gesellschaftlichen Kontakten und einem Lebensstil, der regelmäßig öffentlich beschrieben wurde. Diese Seite gehörte ebenso zu seiner Wahrnehmung wie seine Entwicklungsarbeit. Gerade deshalb blieb seine Figur ungewöhnlich: ein religiöser Imam ohne territoriales Herrschaftsgebiet, ein sehr wohlhabender Philanthrop und ein Akteur, der private Mittel, institutionelle Netzwerke und internationale Diplomatie miteinander verband.
Aga Khan IV. starb am 4. Februar 2025 in Lissabon. Am folgenden Tag wurde sein Sohn Rahim al-Hussaini als Aga Khan V. und 50. Imam benannt. Für die ismailitische Gemeinschaft endete damit ein Imamat von fast 68 Jahren. Seine Wirkung bleibt mit einer Vorstellung von religiöser Führung verbunden, die Spiritualität, Bildung, Kultur und soziale Entwicklung eng zusammendachte.
bis 1995
bis 2011