

Deutscher Modeschöpfer, Designer und Fotograf
Nanterre
Karl Lagerfeld (* 10. September 1933 in Hamburg; gestorben am 19. Februar 2019 in Paris) war ein deutscher Modedesigner, Kreativdirektor, Fotograf und Verleger. Er prägte über Jahrzehnte die internationale Mode, besonders durch seine Arbeit für Chanel, Fendi, Chloé und sein eigenes Label. Lagerfeld verstand Mode als ständige Übersetzung von Vergangenheit in Gegenwart: Er griff Codes auf, veränderte sie, überzeichnete sie und machte sie wieder sichtbar. Sein weißer Zopf, die dunkle Brille und der hohe Kragen wurden selbst zu einer Art Signatur.
Lagerfeld wuchs in Hamburg und Norddeutschland auf und ging als junger Mann nach Paris. 1954 gewann er in der Mantel-Kategorie des International Wool Secretariat, des späteren Woolmark Prize. Kurz darauf arbeitete er bei Pierre Balmain, später bei Jean Patou. Diese frühen Jahre brachten ihn in die Welt der Haute Couture, aber Lagerfeld blieb nicht auf ein Haus oder eine Methode festgelegt. Er wurde zum freien Gestalter, der gleichzeitig für verschiedene Marken denken konnte.
In den 1960er-Jahren entwarf Lagerfeld für Chloé und wurde zu einer wichtigen Figur des Pariser Prêt-à-porter. 1965 begann seine Zusammenarbeit mit Fendi. Dort arbeitete er über fünf Jahrzehnte und veränderte den Umgang mit Pelz und Material. Fendi beschreibt seine Ankunft als Beginn einer neuen kreativen Ära; das von ihm geprägte „FF" stand für „Fun Fur". Auch wenn sich die gesellschaftliche Sicht auf Pelz später stark veränderte, bleibt diese Phase für das Verständnis seiner Arbeitsweise zentral: Lagerfeld interessierte sich für Material nicht als Tradition, sondern als Experiment.
1983 wurde Lagerfeld künstlerischer Direktor bei Chanel. Das Haus war eng mit Gabrielle Chanel verbunden, wirkte aber nach ihrem Tod in vielen Bereichen erstarrt. Lagerfeld machte daraus keine bloße Rückschau. Er nahm Tweed, Kamelie, Perlen, Schwarz-Weiß, Ketten, das kleine Schwarze und das Doppel-C und setzte sie in neue Proportionen, neue Materialien und neue Bilder. Am 25. Januar 1983 zeigte er seine erste Haute-Couture-Kollektion für Chanel in der Rue Cambon. Aus Archiv und Gegenwart entstand ein System, das Chanel wieder zu einem der einflussreichsten Modehäuser der Welt machte.
Lagerfeld war nicht nur Designer. Er fotografierte Kampagnen, entwarf Bücher, arbeitete mit Verlagen und inszenierte Modenschauen als Räume, in denen Kleidung, Kulisse, Musik und Haltung zusammenwirkten. Die Chanel-Schauen im Grand Palais wurden unter ihm zu Ereignissen, ohne dass die Kleidung darin verschwand. Gleichzeitig arbeitete er weiter für Fendi und für sein eigenes Label. Diese Gleichzeitigkeit war ungewöhnlich: Lagerfeld konnte mehrere Marken mit klar unterscheidbaren Stimmen führen und blieb doch sofort erkennbar.
Seine öffentliche Figur war kontrolliert und scharf gezeichnet. Lagerfeld konnte brillant, witzig und großzügig sein, aber auch hart, verletzend und provozierend. Einige seiner Aussagen stießen zu Recht auf Kritik. Diese Widersprüche gehören zu seinem öffentlichen Bild, ohne sein Werk auf sie zu reduzieren. Ebenso prägend waren enorme Arbeitsdisziplin, ein enzyklopädisches Gedächtnis für Stilgeschichte, Freude an Inszenierung und eine Distanz, mit der er auch sich selbst zur Figur machte.
Karl Lagerfeld starb am 19. Februar 2019 in Paris. Chanel verzeichnet seinen Tod in der eigenen Hausgeschichte; Fendi erinnerte an eine Zusammenarbeit, die 1965 begonnen hatte und 54 Jahre dauerte. 2023 widmete das Metropolitan Museum of Art seinem Werk die Ausstellung Karl Lagerfeld: A Line of Beauty. Sein Vermächtnis liegt in der Fähigkeit, Modegeschichte nicht nur zu bewahren, sondern in neue Gegenwart zu übersetzen. Er machte aus Archiven kein Museum, sondern Arbeitsmaterial für eine Mode, die sich ständig verändert.
bis 1962
bis 1983
bis 2019
bis 2019