

Tschechischer Politiker, Außenminister
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Schwarzenberg-Gruft in Orlík nad Vltavou
Karl zu Schwarzenberg, in Tschechien meist Karel Schwarzenberg genannt, (* 10. Dezember 1937 in Prag; gestorben am 12. November 2023) war ein tschechisch-österreichischer Politiker, Diplomat, Menschenrechtsaktivist und Außenminister der Tschechischen Republik. Er stammte aus dem Haus Schwarzenberg, lebte nach der kommunistischen Machtübernahme lange im österreichischen Exil und wurde nach 1989 zu einer wichtigen Figur des demokratischen Tschechien.
Schwarzenberg wurde in Prag in eine böhmische Adelsfamilie geboren. Nach dem kommunistischen Umsturz von 1948 verließ seine Familie die Tschechoslowakei und ging nach Österreich. Diese Erfahrung prägte sein politisches Denken: Eigentum, Herkunft und europäische Geschichte blieben wichtige Bezugspunkte, aber entscheidender wurde für ihn die Frage, wie Freiheit und Rechtsstaat gegen autoritäre Macht verteidigt werden können. In Österreich und Deutschland studierte er unter anderem Rechtswissenschaft und Forstwissenschaft und verwaltete später Familienbesitz.
Schon vor seiner Rückkehr in die tschechische Politik unterstützte Schwarzenberg oppositionelle und menschenrechtliche Arbeit gegen die kommunistischen Regime in Mittel- und Osteuropa. Von 1984 bis 1991 stand er der International Helsinki Federation for Human Rights vor. Er half Exil- und Dissidentenkreisen, unterstützte verbotene tschechische Literatur und wurde zu einer Verbindungsperson zwischen mitteleuropäischer Emigration, westlicher Öffentlichkeit und demokratischen Bewegungen im Ostblock.
Nach der Samtenen Revolution kehrte Schwarzenberg in seine Heimat zurück. Am 11. Juli 1990 wurde er Kanzler, also Leiter der Präsidialkanzlei, von Václav Havel. In dieser Rolle stand er nahe am Übergang von der Diktatur zur Demokratie. Seine Aufgabe war nicht nur organisatorisch. Er brachte Exilerfahrung, internationale Kontakte und ein starkes Bewusstsein für Menschenrechte in eine Politik ein, die sich neu orientierte: weg von sowjetischer Abhängigkeit, hin zu Europa, NATO und demokratischer Selbstverantwortung.
2004 wurde Schwarzenberg in den tschechischen Senat gewählt. Am 9. Januar 2007 wurde er Außenminister, zunächst als parteiloser Minister auf Vorschlag der Grünen. Später gehörte er zu den Gründern der proeuropäischen konservativen Partei TOP 09 und führte sie als eine ihrer sichtbarsten Stimmen. Von 2010 bis 2013 war er erneut Außenminister und zugleich stellvertretender Ministerpräsident. Seine Außenpolitik war deutlich westlich, europäisch und menschenrechtlich geprägt, ohne dass er dabei in eine glatte Parteisprache verfiel.
2013 kandidierte Schwarzenberg bei der ersten direkten Präsidentschaftswahl in Tschechien. Er erreichte die Stichwahl, unterlag dort aber Miloš Zeman. Die Wahl zeigte seine besondere Stellung: Ein konservativer Adliger und ehemaliger Exilant konnte zugleich für viele jüngere, urbane und proeuropäische Wähler glaubwürdig wirken. Schwarzenberg sprach oft unverblümt, manchmal scharf, und blieb gerade dadurch eine eigenständige Figur. Er war kein Politiker der glatten Oberfläche, sondern einer, dessen Lebensweg die Brüche Mitteleuropas sichtbar machte.
Karel Schwarzenberg starb am 12. November 2023 im Alter von 85 Jahren. Sein Lebensweg verbindet Exil, Menschenrechtsarbeit, die Rückkehr nach 1989 und die europäische Orientierung Tschechiens. Er bleibt als Politiker in Erinnerung, der konservative Herkunft, liberale Offenheit und deutliche Haltung gegenüber autoritären Regimen miteinander verband.
bis 1988
bis 2023