

Sowjetischer Politiker, Generalsekretär des ZK der KPdSU in der Sowjetunion von 1985 bis 1991
Zentralkrankenhaus, Oblast Moskau
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Nowodewitschi-Friedhof
Michail Sergejewitsch Gorbatschow (* 2. März 1931 in Priwolnoje, Region Stawropol; gestorben am 30. August 2022 in Moskau) war ein sowjetischer und russischer Politiker. Von 1985 bis 1991 war er Generalsekretär der KPdSU, 1990 und 1991 der erste und einzige Präsident der Sowjetunion. Mit Glasnost, Perestroika, Abrüstungspolitik und dem Verzicht auf militärische Kontrolle über Osteuropa veränderte er die Weltpolitik. Sein Name steht für das Ende des Kalten Krieges, aber auch für den Zerfall eines Staates, den er eigentlich reformieren und erhalten wollte.

Gorbatschow wurde in einer bäuerlichen russisch-ukrainischen Familie im Süden der Russischen Sowjetrepublik geboren. Seine Kindheit war von Kollektivwirtschaft, Stalins Gewaltgeschichte und dem Zweiten Weltkrieg geprägt. Als Jugendlicher arbeitete er mit seinem Vater auf dem Mähdrescher; 1949 erhielt er für Erntearbeit den Orden des Roten Banners der Arbeit. 1950 begann er an der Moskauer Staatlichen Universität Jura zu studieren. Dort lernte er Raissa Titarenko kennen, die Philosophie studierte und 1953 seine Frau wurde.
Nach dem Studienabschluss kehrte Gorbatschow 1955 nach Stawropol zurück. Er arbeitete zunächst im Komsomol und stieg dann in der regionalen Parteiorganisation auf. 1970 wurde er Erster Sekretär des Parteikomitees der Region Stawropol. Die Region war landwirtschaftlich wichtig und zugleich ein Erholungsgebiet für führende Funktionäre; dadurch lernte Gorbatschow Spitzenpolitiker wie Alexei Kossygin und Juri Andropow kennen. 1978 wechselte er nach Moskau, wurde Zentralkomitee-Sekretär für Landwirtschaft und 1980 Vollmitglied des Politbüros.
Am 11. März 1985 wurde Gorbatschow zum Generalsekretär der KPdSU gewählt. Er war deutlich jünger als die unmittelbar vor ihm regierenden sowjetischen Spitzenpolitiker und trat mit dem Anspruch an, eine erstarrte Wirtschaft und eine schwerfällige Bürokratie zu erneuern. Aus dieser Reformbewegung wurden die Leitbegriffe Perestroika, also Umgestaltung, und Glasnost, also Offenheit. Die Presse durfte freier berichten, stalinistische Verbrechen wurden öffentlicher diskutiert, Wahlen wurden vorsichtig pluraler. Zugleich blieb vieles widersprüchlich: Die Planwirtschaft verlor Steuerungskraft, ohne dass ein tragfähiges neues System entstand.
Außenpolitisch suchte Gorbatschow Entspannung mit dem Westen. Die Treffen mit Ronald Reagan und später George H. W. Bush machten Abrüstung wieder möglich. 1987 unterzeichneten Gorbatschow und Reagan den INF-Vertrag, der eine ganze Kategorie nuklearer Mittelstreckenraketen beseitigte. 1989 endete der sowjetische Abzug aus Afghanistan. In Osteuropa griff Moskau nicht mehr wie 1956 in Ungarn oder 1968 in Prag ein, als kommunistische Regime ins Wanken gerieten. Diese Zurückhaltung öffnete den Raum für den politischen Umbruch von 1989, für den Fall der Berliner Mauer und für die deutsche Einheit.
Die Reformen setzten Kräfte frei, die Gorbatschow nicht mehr kontrollieren konnte. In mehreren Sowjetrepubliken wuchsen nationale Bewegungen, in anderen kam es zu Unruhen und Gewalt. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich, Versorgungskrisen nahmen zu, und Boris Jelzin wurde zum mächtigen Rivalen in Russland. 1990 wurde Gorbatschow Präsident der Sowjetunion; zugleich verlor die Kommunistische Partei ihr verfassungsrechtliches Machtmonopol. Er versuchte, die Union in veränderter Form zusammenzuhalten. Für viele Menschen in Mittel- und Osteuropa wurde er zur Figur der Befreiung; für viele frühere Sowjetbürger blieb er mit Unsicherheit, Staatszerfall und dem Verlust alter Sicherheiten verbunden.
Im August 1991 versuchten konservative Kräfte, den Reformprozess zu stoppen. Gorbatschow wurde auf der Krim festgesetzt, der Putsch scheiterte jedoch am Widerstand in Moskau, besonders um Boris Jelzin. Danach war Gorbatschows Macht stark geschwächt. Republiken erklärten ihre Unabhängigkeit, die zentralen Institutionen zerfielen. Am 25. Dezember 1991 trat Gorbatschow als Präsident der Sowjetunion zurück. Am selben Abend wurde die rote Fahne über dem Kreml eingeholt. Gorbatschow hatte den Kalten Krieg mitbeendet, aber nicht verhindern können, dass sein eigener Staat verschwand.
Seit 1992 leitete Gorbatschow die Gorbatschow-Stiftung, später engagierte er sich auch für Green Cross International, sozialdemokratische Projekte und internationale Dialogformate. Er schrieb Bücher, hielt Vorträge und äußerte sich zur russischen Politik. Seine Frau Raissa starb 1999; sie war in seiner öffentlichen Rolle weit sichtbarer gewesen als frühere Ehefrauen sowjetischer Staatsführer. In Russland blieb Gorbatschows Ansehen gespalten. Im Ausland wurde er häufig als Staatsmann geehrt, der Gewalt vermied und den Übergang in Europa möglich machte. In seiner Heimat überwog bei vielen die Erinnerung an Verlust, Chaos und den Absturz der 1990er-Jahre.
Michail Gorbatschow starb am 30. August 2022 in Moskau. Er wurde 91 Jahre alt. Sein Leben gehört zu den großen politischen Biografien des 20. Jahrhunderts, weil es keine einfache Bilanz erlaubt. Gorbatschow war Reformer eines Systems, dessen Widersprüche stärker waren als seine Reformen. Er war ein sowjetischer Parteimann, der Räume für Freiheit öffnete. Er war kein Sieger im klassischen Sinn, aber ein Politiker, dessen Entscheidungen Millionen Menschen in Europa und darüber hinaus aus der Logik des Kalten Krieges lösten.
bis 1999