

Österreichischer Jurist, Diplomat und Politiker, Außenminister, Bundespräsident
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Wiener Zentralfriedhof
Rudolf Kirchschläger (* 20. März 1915 in Oberösterreich; gestorben am 30. März 2000 in Wien) war ein österreichischer Jurist, Diplomat, Außenminister und von 1974 bis 1986 Bundespräsident der Republik Österreich. Er galt als parteiunabhängiger Katholik mit nüchterner Sprache, juristischem Denken und einem politischen Stil, der auf persönliche Glaubwürdigkeit setzte.
Kirchschläger kam aus einfachen Verhältnissen. Er studierte Rechtswissenschaft in Wien, wurde nach dem „Anschluss“ in die Wehrmacht eingezogen und war im Krieg mehrfach verwundet. Nach 1945 arbeitete er als Richter und wechselte später in den österreichischen diplomatischen Dienst. An den Grundlagen der Zweiten Republik war er als Jurist und Diplomat beteiligt, unter anderem im Umfeld von Staatsvertrag und Neutralität.
Von 1967 bis 1970 war Kirchschläger österreichischer Gesandter in Prag. Während der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 suchten Menschen in der österreichischen Botschaft Schutz. Kirchschläger ließ Hilfe zu, obwohl die politische Lage für Österreich heikel war. Diese Entscheidung wurde später häufig als Beispiel für seine Haltung genannt: rechtsstaatlich, vorsichtig in der Form, aber in der Sache auf Menschen ausgerichtet.
1970 ernannte Bruno Kreisky den parteilosen Diplomaten zum Außenminister. In dieser Funktion verband Kirchschläger österreichische Neutralität mit einer aktiven Rolle in internationalen Fragen. Nach dem Militärputsch in Chile 1973 spielte die österreichische Botschaft in Santiago eine wichtige Rolle für Verfolgte, die dort Zuflucht suchten. Außenpolitik ging bei Kirchschläger damit über Protokoll hinaus und wurde in konkreten Krisen praktische Hilfe.
Nach dem Tod Franz Jonas' wurde Kirchschläger 1974 Bundespräsident. Er trat sein Amt am 8. Juli 1974 an und wurde 1980 mit sehr hoher Zustimmung wiedergewählt. In einer Zeit starker Parteibindungen verkörperte er ein Staatsoberhaupt, das Distanz zu Parteitaktik hielt. Seine Reden waren oft knapp, moralisch bestimmt und auf die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger gerichtet.
Kirchschläger wurde besonders durch seine Formel vom Trockenlegen der „Sümpfe und sauren Wiesen“ bekannt. Gemeint war nicht ein einzelner Skandal, sondern das Benennen politischer und gesellschaftlicher Fehlentwicklungen. Seine Autorität entstand weniger aus Lautstärke als aus Verlässlichkeit. Gerade deshalb blieb er in Österreich über Parteigrenzen hinweg respektiert.
Rudolf Kirchschläger starb am 30. März 2000 in Wien, kurz nach seinem 85. Geburtstag. Er wurde 85 Jahre alt. Sein Lebensweg führt von Kriegsdienst und Justiz über Diplomatie und Außenpolitik in das höchste Staatsamt Österreichs und zeigt einen politischen Stil, der aus Maß, Sprache und persönlicher Verantwortung entstand.