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Stadtfriedhof Tübingen
Walter Jens (* 8. März 1923 in Hamburg; gestorben am 9. Juni 2013 in Tübingen) war ein deutscher Altphilologe, Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Kritiker, Übersetzer und Hochschullehrer. In Tübingen baute er das Fach Allgemeine Rhetorik mit auf; seine Reden, Essays und Vorträge wurden in literarischen und politischen Debatten der Bundesrepublik häufig gehört.
Jens wuchs in Hamburg auf und studierte Klassische Philologie. Seine wissenschaftliche Arbeit führte ihn nach Freiburg und Tübingen. Früh verband er antike Literatur, moderne Erzählformen und politische Gegenwart. Als Professor für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen lehrte er über Rede, Sprache, Literatur und Öffentlichkeit. Das Tübinger Seminar für Allgemeine Rhetorik blieb eng mit seinem Namen verbunden.
Jens schrieb Romane, Essays, Reden, Literaturkritik, Übersetzungen und Arbeiten zur Antike. Zu seinen Büchern gehören Nein. Die Welt der Angeklagten, Ilias und Odyssee und viele Texte über Sprache, Verantwortung und Bildung. Er war Gelehrter und öffentlicher Redner; politische Fragen verband er mit literarischer und theologischer Tradition.
Ab den 1970er Jahren übernahm Jens Funktionen in kulturellen Institutionen. Er war Präsident des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland und später Präsident der Akademie der Künste in Berlin. Auszeichnungen wie der Heinrich-Heine-Preis, der Theodor-Heuss-Preis und das Große Verdienstkreuz mit Stern zeigen, welche Rolle seine Stimme in der Kultur der Bundesrepublik spielte.
Jens mischte sich in Fragen von Demokratie, Frieden, Sprache, Kirche und Sterben ein. 2003 wurde öffentlich über seine NSDAP-Mitgliedschaft aus der Jugendzeit berichtet; Jens erklärte, er habe keine aktive Aufnahme beantragt. In späteren Jahren zog er sich aus Gesundheitsgründen aus der Öffentlichkeit zurück. Durch Texte seines Sohnes Tilman Jens wurde auch der Umgang mit Demenz in der Familie öffentlich diskutiert.
Walter Jens starb am 9. Juni 2013 in Tübingen. Er wurde 90 Jahre alt. Sein Werk verbindet philologische Arbeit, rhetorische Schulung und politische Zeitgenossenschaft. Zu seinem späten Leben gehört auch die öffentliche Debatte über Demenz, Familie und Würde.
bis 2013